Einführung von EU-weiten Schutzmaßnahmen für Whistleblower:innen

Mit dem Entschließungsantrag fordert das Europäische Parlament den Rat der EU auf, die Maßnahmen zum Schutz von Hinweisgeber:innen, welche Informationen über illegale oder schädliche Tätigkeiten offenlegen, die sie im beruflichen Kontext erworben haben, umzusetzen. Die so genannten Whistleblower:innen haben demnach mehr Schutz, auf den sie sich berufen können. Jetzt haben die Mitgliedsstaaten zwei Jahre Zeit, um diese Richtlinie in die nationale Gesetzgebung umzusetzen.

Das Parlament nahm den Antrag mit großer Mehrheit (91%) bei 592 Ja-Stimmen an.

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Dafür gestimmt
91
Dagegen gestimmt
0
Enthalten
2
Nicht beteiligt
3
Abstimmungsverhalten von insgesamt 96 Abgeordneten.
Name Fraktion Wahlkreis Stimmverhalten Absteigend sortieren
Portrait von Jörg Meuthen Jörg Meuthen AfD (EFDD) 1 - Bundesliste Enthalten
Udo Voigt - NPD Udo Voigt fraktionslos 1 - Bundesliste Enthalten
Portrait von Birgit Collin-Langen Birgit Collin-Langen CDU/CSU (EVP) 1 - Rheinland-Pfalz Nicht beteiligt
Portrait von Sabine Lösing Sabine Lösing DIE LINKE (GUE/NGL) 1 - Bundesliste Nicht beteiligt
Portrait von Andreas Schwab Andreas Schwab CDU/CSU (EVP) 1 - Baden-Württemberg Nicht beteiligt
Portrait von Elmar Brok Elmar Brok CDU/CSU (EVP) 1 - Nordrhein-Westfalen Dafür gestimmt
MdEP Prof. Dr. Klaus Buchner Klaus Buchner DIE GRÜNEN/PIRATEN/ÖDP (Grüne/EFA) 1 - Bundesliste Dafür gestimmt

Bereits in einem Initiativbericht in 2016 bzw. 2017 forderte das Europäische Parlament die Kommission auf, einen Legislativvorschlag zum Schutz von Whistleblower:innen vorzulegen. Darauffolgend gab es einen Trilog: Dieser findet zwischen den Delegationen des Parlamentes und des Rates unter Vermittlung der EU Kommission statt. Anschließend wurde der erste Richtlinienentwurf geschrieben. Nach einem Jahr der Verhandlungen können nun die Kommission mit dem Antrag der Bitte nachkommen und das Parlament darüber befinden.

Die neuen Regeln legen u.a. fest, dass es keine Repressalien seitens der Arbeitgeber:innen gegenüber den Whistleblower:innen geben darf. Die Whistleblower:innen sollen durch Schutzmaßnahmen vor Entlassungen, Degradierungen oder Einschüchterungen geschützt werden. Außerdem sollen Menschen geschützt werden, die beim Aufdecken der Informationen unterstützt haben, zum Beispiel in dem sie Informationen weitergeben oder Kontakte vermittelt haben.

Weiterhin ist festgeschrieben, dass es sowohl interne (unternehmens- bzw. behördenintern) als auch externe (nationale Behörden, bzw. die zuständigen Organe, Einrichtungen, Ämter oder Agenturen der EU) Stellen geben soll, bei denen Hinweise auf einen Regelverstoß abgegeben werden können. Wenn auf einen internen Hinweis keine Reaktion erfolgt, soll das öffentlich machen straffrei bleiben. "Ohne vorhergehende interne Meldung sind öffentliche Hinweise straffrei möglich, wenn eine unmittelbare Gefahr für die Öffentlichkeit oder Vergeltungsmaßnahmen gegen die Hinweisgeber drohen", heißt es weiter in der Pressemitteilung des Parlaments.

Eine weitere Regelung ist, dass die Mitgliedsstaaten den Hinweisgeber:innen umfassende und unabhängige Informationen zur Verfügung stellen müssen. Auch finanzielle und psychologische Betreuung während eines eventuellen Verfahrens sind hier benannt. Für die Mitgliedsstaaten bleiben jetzt zwei Jahre Zeit, um die Regelungen in die nationalen Gesetzgebungen umzusetzen.

Eine Studie der Kommission zeigt, dass durch den fehlenden Schutz von Whistleblower:innen, allein im öffentlichen Auftragswesen, EU-weit jährlich rund 5,8 -9,6 Mrd. € Verluste entstehen. Der Umstand soll durch die Maßnahmen deutlich abgemildert werden.

Das Parlament nahm den Antrag mit großer Mehrheit von 91% an. Die Abgeordneten aus Deutschland haben sich noch deutlicher, mit 95% Zustimmung zum Antrag positioniert. Es gab von den 96 Parlamentarier:innen aus Deutschland keine Gegenstimme.

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