Wie stehen Sie zu der aktuell diskutierten Rentenalterkopplung?
Sehr geehrter Herr Birzele,
ich schreibe Ihnen als 37-jährige Mutter und Arbeitnehmerin aus Ihrem Wahlkreis.
Ich arbeite bewusst 32 Stunden pro Woche. Nicht aus fehlendem Ehrgeiz, sondern weil ich Beruf und Familie vereinbare. Ich gehe meinem Beruf gern nach und habe zusätzlich ein Kleingewerbe, weil ich mich auch beruflich einbringe. Mehr Arbeit wäre möglich, doch meine Zeit mit meinem Kind hat für mich große Bedeutung – diese Jahre lassen sich nicht nachholen.
Die Diskussion über eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung bereitet mir Sorge. Von meiner Generation wird erwartet, Familie, Arbeit, längere Lebensarbeitszeit und private Vorsorge zu vereinen. Ich frage mich, wie das realistisch gelingen soll.
Eltern leisten durch Kindererziehung ebenfalls einen Beitrag für das Rentensystem. Ich habe Sorge, dass sie durch längere Erwerbszeiten doppelt belastet werden.
Ich bitte Sie, diese Lebensrealität in Ihre politische Arbeit einzubeziehen.
Viele Grüße
V. H.
Sehr geehrte Frau H.,
vielen Dank für Ihre persönliche Nachricht und dafür, dass Sie Ihre Lebenssituation so offen schildern.
Sie sprechen einen Punkt an, der viele Menschen Ihrer Generation bewegt. Beruf, Familie und private Vorsorge miteinander zu vereinbaren, ist eine große Herausforderung. Gerade Eltern leisten mit der Erziehung ihrer Kinder einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft und damit auch für die Zukunft unseres Rentensystems. Diese Lebensrealität muss in politischen Entscheidungen berücksichtigt werden.
Deshalb lehnen wir GRÜNE eine starre Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung oder eine pauschale Anhebung auf 68 oder 70 Jahre ab. Ein höheres Rentenalter würde viele Menschen, die körperlich oder familiär besonders gefordert sind, unverhältnismäßig belasten.
Unser Ansatz ist stattdessen, Menschen gesundes und selbstbestimmtes Arbeiten zu ermöglichen. Wer gesund ist und freiwillig länger arbeiten möchte, soll dies ohne unnötige arbeitsrechtliche Hürden tun können. Gleichzeitig wollen wir die Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz stärken und die Erwerbsminderungsrente verbessern, damit diejenigen abgesichert sind, die nicht bis ins hohe Alter arbeiten können bzw. wollen.
Damit die gesetzliche Rente langfristig finanzierbar bleibt, wollen wir außerdem die Finanzierung auf eine breitere Grundlage stellen. Deshalb setzen wir uns im Bund dafür ein, dass künftig auch nicht anderweitig abgesicherte Selbstständige, neue Beamtinnen und Beamte sowie Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Zudem wollen wir das Rentenniveau dauerhaft sichern und Altersarmut durch eine Garantierente wirksam bekämpfen. Weitere Infos finden Sie hier.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Birzele, MdL
