Setzen Sie sich angesichts der überlasteten und verspätungsanfälligen Bestandsstrecke für die Eisenbahnneubaustrecke Bielefeld-Hannover ein? Falls nein, warum nicht?

Portrait von Christina Kampmann
Christina Kampmann
SPD
100 %
12 / 12 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Jakob S. •

Setzen Sie sich angesichts der überlasteten und verspätungsanfälligen Bestandsstrecke für die Eisenbahnneubaustrecke Bielefeld-Hannover ein? Falls nein, warum nicht?

Die bestehende Bahnstrecke ist mit rund 130 Prozent Auslastung bereits heute offiziell überlastet. (https://www.mt.de/regionales/nrw/Neubau-Strecke-Hannover-Bielefeld-Nur-noch-zwei-Optionen-24228081.html)

Gleichzeitig bestehen Pläne, den Regionalverkehr in Ostwestfalen deutlich auszuweiten. (https://schieneplus.nrw/projekte/s-bahn-owl/)

Auch für den Fern- und Güterverkehr wird stetiges Wachstum prognostiziert. (https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/verkehrsprognose-2040.html)

Die Bestandsstrecke kann die Mehrverkehre angesichts der o.g. Überlastung nicht aufnehmen; für die Verbesserung des Bahnverkehrs in der Region werden zwei weitere Gleise benötigt. (https://www.hannover-bielefeld.de/info-markt-2024/chancen)

Ein bestandsnaher Ausbau wurde von Manchen als Alternative gefordert, würde jedoch zu größeren Bebauungskonflikten und Eingriffen im Umfeld führen, als ein Neubau. (https://neubaustrecke-bielefeld-hannover.de/willkommen/details-stellungnahme-trasse-bahnzentrum-widuland/)

Portrait von Christina Kampmann
Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr S.

vielen Dank für Ihre Frage. Die kurze Antwort lautet: Ja. Ich unterstütze zwei zusätzliche Gleise zwischen Bielefeld und Hannover.

Die Bestandsstrecke ist nach Angaben der Deutschen Bahn abschnittsweise zu bis zu 130 Prozent ausgelastet und gilt als chronisch überlastet. Zwischen Wunstorf und Minden ist sie nur zweigleisig. 

Fern-, Regional- und Güterzüge teilen sich dort dieselben Gleise. Das kostet Pünktlichkeit und begrenzt, wie viele Züge überhaupt fahren können. Bekommt der Fernverkehr eigene Gleise, müssen Regionalzüge nicht mehr anhalten, um Fernzüge vorbeizulassen, und auch der Nahverkehr wird zuverlässiger. Zugleich entstehen Kapazitäten für mehr Güterverkehr auf der Schiene und für den Ausbau der S-Bahn in OWL. Davon profitiert insgesamt Ostwestfalen, nicht nur der Fernverkehr.

Ich unterstütze das Ziel des Deutschlandtakts: ein abgestimmter Fahrplan, bei dem Fern- und Nahverkehr verlässlich ineinandergreifen und Umstiege planbar werden. Dafür braucht es voraussichtlich auch eine schnellere Verbindung zwischen Bielefeld und Hannover.

Einen reinen Ausbau der Bestandsstrecke hat die Deutsche Bahn untersucht. Er erreicht die Projektziele nach ihrer Prüfung nicht. Die Planung ist inzwischen auf zwei Trassenkorridore eingegrenzt, unter anderem aus Kostengründen, und befindet sich in der Vorplanung. Nach heutigem Stand kann der Bau frühestens in rund zehn Jahren beginnen. Umso wichtiger ist es, die Planung jetzt zügig abzuschließen. Jedes weitere Jahr Verzögerung verlängert die Überlastung, die Sie beschreiben. 

Bei der Wahl der Variante müssen Kosten und Bauzeit ein zentrales Kriterium sein. Die Strecke muss bezahlbar sein und möglichst schnell in Betrieb gehen.

Für Bielefeld gehört dazu auch, dass der Hauptbahnhof zu einem leistungsfähigen Knoten ausgebaut wird und dass Eingriffe in Natur und Landschaft, etwa im Johannisbachtal, sorgfältig geprüft und so gering wie möglich gehalten werden.

Zur Einordnung: Über die weitere Planung der Neubaustrecke entscheidet der Deutsche Bundestag, nicht der Landtag. Wo das Land zuständig ist, etwa beim Regionalverkehr und der S-Bahn. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die zusätzlichen Kapazitäten auch tatsächlich für mehr und bessere Verbindungen in der Region genutzt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Christina Kampmann

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Christina Kampmann
Christina Kampmann
SPD

Weitere Fragen an Christina Kampmann