Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters zu? Ja oder nein?
Die Krankschreibung ab dem 1. Tag ist nur eine Nebelkerze der Regierung und lenkt vom wichtigen o.g. Punkt ab
Sehr geehrter Herr A.,
vielen Dank für Ihre Frage die mich am 3. Juli dieses Jahres über die Plattform Abgeordnetenwatch erreicht hat. Als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für Oldenburg und das Ammerland antworte ich Ihnen natürlich sehr gerne darauf.
Die gesetzliche Rente ist und bleibt eines der zentralen Versprechen unseres Sozialstaats. Sie schützt Millionen Menschen im Alter und bei Erwerbsminderung. Sie steht für Sicherheit, Solidarität und Anerkennung von Lebensleistung.
Die Alterssicherungskommission hatte den Auftrag, das Gesamtsystem der Alterssicherung mit seinen drei Säulen in den Blick zu nehmen und dabei vor allem Vorschläge für die Lebensstandardsicherung kleiner und mittlerer Einkommen zu entwickeln. Ziel der Empfehlungen ist es, die Alterssicherung angesichts der demografischen Entwicklung auch in Zukunft stabil, gerecht und nachhaltig aufzustellen. Der wichtigste Punkt ist dabei: Das Zugangsrentenniveau wird nicht nur stabilisiert, sondern ab 20240 sogar steigen. Für alle Generationen gilt: Im Modell der Kommission stellen sich alle besser als in der aktuellen Rechtslage. Mit ihren Vorschlägen entwirft die Kommission eine echte Reform, die weit mehr ist als ein Sparpaket.
Legt man die derzeit erwartete Entwicklung der Lebenserwartung zugrunde, würde die Regelaltersgrenze ab 2032 etwa alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen. Die Marke von 70 Jahren würde nach dieser Modellrechnung erst im Jahr 2092 erreicht. Ob dies überhaupt eintritt, ist heute nicht absehbar, denn die Anpassung soll nur erfolgen, wenn die Lebenserwartung tatsächlich weiter steigt. Es geht also nicht um die feste Einführung der „Rente mit 70“, sondern um einen langen, berechenbaren Übergang.
Grundsätzlich handelt es sich bei den Empfehlungen der Alterssicherungskommission um ein Gesamtpaket, dessen Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind und einen echten Gewinn für alle Generationen darstellen. Derzeitige Rentner profitieren von der Absicherung des Rentenniveaus, welches langfristig sogar besser ausfallen soll als unter geltendem Recht. Davon profitieren auch die jüngeren Generationen. Zusätzlich sollen die Beitragssätze in der umlagefinanzierten Rente sogar sinken, während die zusätzlichen 2 Prozentpunkte zur Finanzierung der neuen Kapitalrente das Rentenniveau langfristig erhöhen.
Ohne eine Reform wird das Rentenniveau ab 2031 von derzeit 48 Prozent auf 46 Prozent absinken, während die Beitragssätze weiter steigen. Ich halte es daher für richtig, die vorgeschlagenen Maßnahmen als Gesamtpaket umzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Dennis Rohde
