Sehr geehrter Herr Kippels, heute ist zu lesen, daß die MIT den Rechtsanspruch auf Teilzeit, die zynisch "Lifestyle-Teilzeit" genannt wird, einschränken will. - Warum fordert die MIT nicht gleichzeitig das Recht auf Vollzeit?
Leider vermisse ich bei den Gedanken des MIT (soweit sie bekannt sind) eine äquivalente Forderung: Warum fordert die MIT nicht gleichzeitig das Recht auf Vollzeit?
Mit freundlichen Grüßen
Uwe-Jens G.
Sehr geehrter Herr G.,
Danke für Ihre Frage.
Mit 40,1 Prozent hat die Teilzeitquote in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht. Angesichts des aktuell herrschenden Fachkräftemangels, aber auch im Sinne eines dringend benötigten Wirtschaftswachstums ist es notwendig, dass auch dieses Thema sinnvoll -und ganz ohne Zynismus- diskutiert wird.
Sicher sind die Gründe für Teilzeitarbeit vielfältig, sei es die Erziehung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen, Unfallfolgen oder Aus- und Weiterbildungen. Dient die Teilzeitarbeit aber nur dem Ausbau der „Work-Life-Balance“ bei gleichzeitigem Bezug ergänzender und aufstockender Sozialleistungen, sollte im Sinne der Solidargemeinschaft gegengesteuert werden. Denn letztere darf nicht dafür in Anspruch genommen werden, individuelle Entscheidungen zur Arbeitszeitreduzierung aus Gründen der Work-Life-Balance finanziell abzusichern.
Selbstverständlich geht eine mögliche Vollzeitbeschäftigung, wie die Union sie anstrebt, Hand in Hand mit entsprechenden Anreizen und verlässlichen Rahmenbedingungen. Zu nennen wären hier beispielsweise flexiblere Arbeitszeitmodelle, eine spürbare Entlastung der Arbeitseinkommen insbesondere kleiner und mittlerer Einkommen, sowie ein leistungsfreundlicheres Steuer- und Abgabensystem, damit sich Mehrarbeit, zusätzliche Stunden und beruflicher Aufstieg wieder lohnen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Georg Kippels
