Das Interesse der Händler Pfandflaschen zurückzunehmen sinkt? Was sind politische Lösungen um das Mehrwegsystem zu verbessern?
Sie sind Mitglied im Umweltausschuss.
Ich kenne das Pfandflaschen-Mehrwegsystem noch von meinen Grosseltern. Und bin davon überzeugt. Nur durch die Miteinbeziehung der Pfandflaschen in die Statistik, kann die Gelbe Tonne die Recyclingquote erfüllen.
Leider muss ich immer grössere Finanzelle Nachteile beim Kauf von Pfandflaschen hinnehmen, teilweise den doppelten Preis. Sollten in einer Sozialen Marktwirtschaft nicht die Umweltverschmutzer den höheren Preis zahlen?
Grosse Supermärkte lehnen es ab Pfandflaschen zurückzunehmen, obwohl sie diese von einem anderen Abfüller im Sortiment haben. Wie können ressourcenschonende Verbraucher politisch besser gefördert werden? Sollte ein Standastsortiment von allen grösseren Supermärkten zurückgenommen werden?
Sehr geehrter Herr R.
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Engagement für das Mehrwegsystem.
Auch wir sehen das Pfandflaschen-Mehrwegsystem als einen Grundpfeiler nachhaltiger Kreislaufwirtschaft. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, dass 70 Prozent der Getränke in Mehrwegverpackungen abgefüllt werden – die Realität sieht leider anders aus: Im letzten Berichtsjahr lag die Mehrwegquote bei gerade einmal 34 Prozent.
Zwar sind größere Supermärkte ab einer Ladenfläche von 200 m² dazu verpflichtet, auch sortimentsfremde Pfandflaschen zurückzunehmen. Kleinere Märkte hingegen sind von dieser Pflicht ausgenommen – und weil es keine einheitlichen Flaschendesigns gibt, können Verbraucher*innen ihre Pfandflaschen dort oft nicht zurückgeben. Wir setzen uns schon lange dafür ein, dass jede Flasche in jedem Pfandflaschenautomat zurückgegeben werden kann.
Umso bedauerlicher ist also, dass die Bundesregierung im Rahmen der Umsetzung der neuen EU-Verpackungsverordnung mit dem nationalen Verpackungsdurchführungsgesetz die Chance, die Mehrwegsysteme nachhaltig zu stärken, verstreichen lässt. Potenziale zur Verbesserung und Ausweitung des Pfandsystems bleiben ungenutzt.
Darüber hinaus fordern wir, das Mehrwegsystem systematisch zu stärken – durch eine stärkere Standardisierung, einheitliche Flaschendesign sowie eine bessere Finanzierung für den Ausbau und Erhalt der Mehrweginfrastruktur. Denn ein funktionierendes Pfandsystem nützt am Ende allen – Verbraucher*innen, Handel und Umwelt.
Daher werden wir uns im weiteren parlamentarischen Verfahren weiter für eine Stärkung des Mehrweg- und Pfandsystems einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Harald Ebner
