Welche Bedeutung hat das politische Erbe von Rosa Luxemburg?
Sehr geehrte Frau Schwertdner,
im Rahmen eines Schulprojekts zum Thema 'Das politische Erbe von Rosa Luxemburg' möchte ich Sie bitten, mir ein paar Fragen zu beantworten:
1. Wird das Erbe der Spartakusbewegung Ihrer Meinung nach eher historisch gewürdigt oder politisch instrumentalisiert?
2. Welche Aspekte von Rosa Luxemburgs Denken werden heute häufig überbetont – und welche eher vernachlässigt?
3. Inwiefern lassen sich Luxemburgs Vorstellungen von Demokratie auf heutige Politik übertragen?
Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen.
Herzliche Grüße
Lika W.
Liebe Frau W.,
vielen Dank für Ihre Fragen. Rosa Luxemburg ist eine bedeutende Frau der Geschichte der linken Arbeiter*innenbewegung. Ihr Leben war dem Kampf gegen Kapitalismus, Nationalismus und Militarismus gewidmet. Mit ihren klugen Gedanken konnte sie viele Menschen überzeugen und zu politischem Engagement für eine bessere Welt inspirieren – auch heute noch.
Im Folgenden nehmen wir deswegen gerne Bezug auf Ihre Fragen:
- Die Erinnerung an die Spartakusbewegung ist oft verkürzt – und wird aus politischen Motiven entweder verklärt und entpolitisiert, oder dämonisiert. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihr muss sie in ihrem historischen Kontext, der von Krieg, humanitärem Leid und einem autoritären Staat geprägt war, betrachten und sich differenziert mit ihr als Teil der sozialen Kämpfe der Arbeiterbewegung auseinandersetzen.
- Rosa Luxemburg wird viel als Symbolfigur oder Märtyrerin erinnert. Oft fehlt dabei eine tiefergehende Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Intellektuelle der demokratisch-sozialistischen Bewegung, und ihrem Bekenntnis zur Demokratie, ihrer Autoritarismuskritik, ihren Forderungen nach politischer Bildung und Massenbeteiligung, und ihrem offenen Sozialismusverständnis.
- Rosa Luxemburgs Demokratievorstellungen sind heute so aktuell wie damals: Freiheit ohne Gleichheit ist Ausbeutung, Gleichheit ohne Freiheit ist Unterdrückung. Demokratie kann nur aufblühen, wenn die materielle Teilhabe aller Menschen gesichert und die Gesellschaft nicht sozial gespalten und von einer kleinen Elite, die allen Reichtum auf sich vereint, beherrscht wird.
Die Linke gedenkt Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht jährlich zum Jahrestag ihrer Ermordung, und setzt sich jeden Tag für die Weiterführung ihres Kampfes für eine gerechtere und friedlichere Welt ein.
Mit solidarischen Grüßen
Das Team von Ines Schwerdtner
