Guten Tag, sind Sie für oder gegen die Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung?
Ich halte eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung für falsch. Die Lebenserwartung ist ein statistischer Durchschnittswert und sagt wenig über die individuelle Lebensrealität der Menschen aus. Deshalb halte ich es für sinnvoller, die Zahl der Beitragsjahre stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Zudem wird in der Debatte ausgeblendet, dass die Lebenserwartung in Deutschland je nach Region, Einkommen, Bildungsstand, Geschlecht und Erwerbsbiografie erheblich variiert. Menschen mit körperlich belastenden Berufen oder schwierigen Arbeitsbedingungen haben oft nicht nur eine geringere Lebenserwartung, sondern verbringen auch mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen.
Eine pauschale Anhebung des Renteneintrittsalters würde diese Unterschiede ignorieren und insbesondere Menschen mit niedrigen Einkommen sowie aus strukturschwachen Regionen zusätzlich benachteiligen. Hinzu kommt, dass eine Anhebung des Renteneintrittsalters faktisch für viele Menschen einer Rentenkürzung gleichkommen würde. Wer nicht länger arbeiten kann, muss Abschläge hinnehmen oder früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Deshalb sehe ich eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung kritisch und werde entsprechende Vorschläge im parlamentarischen Verfahren sehr genau prüfen.
