Sind Sie für oder gegen die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung?
Sehr geehrte Frau Steinhülb-Joos,
Die Bundesregierung plant die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, obwohl es mehrere Gründe dagegen gibt.
Mögliche Gründe sind:
- Wenn die Baby Boomer Generation verstorben ist, wirden es nachfolgend viel weniger Renter geben (Demographie)
- Viele Menschen sind mit 67 Jahren bereits am Limit ihrer Leistungsfähigkeit, wie soll man da bis über 70 weiterarbeiten?
- Die junge Generation braucht Unterstützung bei der Kindeserziehung, dabei sind die Großeltern eine wichtige Stütze die noch länger wegfallen würde. Frauen werden weiterhin im die Altersarmut getrieben, da sie weniger arbeiten können.
- Viele Arbeitende kurz vor der Rente gaben bereits jetzt das Problem, dass sie nicht mehr konkurrenzfähig zur jüngeren Generation sind. Das Berufsleben hat sich drastisch verändert und sie können nicht mehr effizientarbeite (Digitalisierung) oder sie sind dank ihrer Berufsjahre zu teuer, oder beides
Wie stehen Sie zur Kopplung?
Sehr geehrte Fragestellerin,
als Abgeordnete des Landtags von Baden-Württemberg bin ich an einer Entscheidung über eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nicht unmittelbar beteiligt. Trotzdem werfen Sie eine wichtige Frage auf, die alle Menschen betrifft und die ich gerne beantworten möchte. Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission (ASK) hat eine ganze Reihe von Vorschlägen erarbeitet, um das Rentensystem zu stabilisieren, darunter auch einen Mechanismus, den Sie ansprechen: Das Renteneintrittsalter soll nach 2031 moderat an die weitere Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden.
Grundsätzlich begrüße ich die Bemühungen, unser Rentensystem zu reformieren, denn unsere Demographie und die voraussichtliche Entwicklung machen grundlegende Reformen unabdingbar.
Ich teile die Meinung einiger Bundestagsabgeordneten, eine sichere Rente dann zu erreichen, wenn wir einen fairen Kompromiss für alle Generationen finden.
Wichtig finde ich, dass die gesetzliche Rente als Fundament der Alterssicherung bleibt.
Eine automatische und pauschale Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung darf nur gelten, wenn Menschen tatsächlich länger gesund leben, und sie muss regelmäßig überprüft werden.
An die Stelle der Rente für besonders langjährig Versicherte soll eine Sonderregelung treten.
Für langjährige Beitragszahler, die kurz vor der Rente aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können, soll die Schutzrente gelten. Sie sollen früher in Rente gehen können, ohne auf andere Tätigkeiten verwiesen zu werden.
Ich begrüße die Empfehlungen der ASK, positive Anreize für die Menschen zu setzen, die auch über das reguläre Rentenalter hinaus freiwillig weiterarbeiten wollen. So halten wir am Ende die Menschen in Arbeit, die auch dazu fähig sind, gute Arbeit im hohen Alter zu verrichten. Jede*r kann sich selbst am besten einschätzen.
Eine Anmerkung noch zu Ihrem Punkt „Wenn die Baby Boomer Generation verstorben ist, wird es nachfolgend viel weniger Rentner geben (Demographie)“: Es ist richtig, dass diese Welle dann abflacht und für etwas Entlastung sorgt, aber das grundsätzliche Strukturproblem bleibt. Deutschland hat seit Jahrzehnten zu wenige junge Menschen, um das umlagefinanzierte Rentensystem in seiner heutigen Form ohne Anpassungen zu tragen.
Sie sprechen auch an, dass Großeltern bei späterem Renteneintritt sich weniger um Enkelkinder kümmern können. Genau deshalb ist es so wichtig, Kita-Plätze und den Ganztag an den Schulen konsequent auszubauen und junge Familien in der Betreuung ihrer Kinder besser zu unterstützen. Das würde auch die Möglichkeiten der Erwerbsfähigkeit der Eltern stärken und somit auch zu höheren Renten beitragen. Als ehemalige Schulleiterin kann ich es nur immer wiederholen: Jeder investierte Euro in Bildung zahlt sich doppelt und dreifach aus.
Viele Grüße
Katrin Steinhülb-Joos
