Werden sie dem Vorschlag im Reformpapier zur Rente - die Altersgrenze zum Renteneintrit an die Lebenserwartungen anzupassen zustimmen? Wie stehen sie zu den restlichen Vorschlägen in dem Papier?
Sehr geehrter Herr Rabanus,
Das Reformpaket der Rentenkommision enthält einige gute vorschläge, doch der Vorschlag den Renteneintritt an die Lebenserwartung anzupassen wird die Altersarmut in Deutschland nur verschärfen. Leute im Niedriglohnbereich schaffen es aufgrund der oftmals weitaus schlechteren Arbeitsbedingungen und oftmals körperlichen Arbeiten heute schon kaum, bis zum Eintrittsalter zu arbeiten. Jetzt regelmäßig aufgrund von statistischen Levenserwartungen noch weiter zu erhöhen, hätte nur zur folge dass diese menschen mit noch mehr abzügen in den Ruhestand eintreten. Das ist weder solidarisch noch sozial.
Sehr geehrte Frau R.,
vielen Dank für Ihre Frage. Wie Sie richtigerweise anmerken, gibt es Tätigkeiten, die einem Menschen im Laufe der Erwerbsbiographie zusetzen. Dies gilt für den Niedriglohnsektor ebenso wie für die Industrie und das Handwerk.
Gleichwohl erfreut sich die bundesdeutsche Bevölkerung einer immer längeren Lebenserwartung. Dieser Entwicklung muss die Reform unseres Rentensystems Rechnung tragen und die Lebensphase der Erwerbsarbeit der längeren Dauer des Rentenbezugs anpassen. Natürlich gilt es dabei die Schwachen und Schwächsten in den Blick zu nehmen. Als Beleg dafür zitiere ich gerne die verantwortliche Bundesministerin Bärbel Bas: „Klar muss auch künftig sein: Wer nicht mehr kann, kann früher gehen!“
Im Übrigens halte ich es perspektivisch für richtig, den abschlagsfreien Eintritt in den Ruhestand an die geleisteten Beitragsjahre zu koppeln. So sollte nach meiner Vorstellung unabhängig von Lebensalter nach 45 Beitragsjahren ein Renteneinritt ohne Abschläge möglich sein. Alle anderen treten mit Erreichen der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in die Rente ein oder müssen wir heute Abschläge in Kauf nehmen.
Abschließend: das Rentenreformpaket wird nach der Sommerpause im Bundestag beraten. Ich bin zuversichtlich, dass das Gesamtpaket auch aus meiner Sicht zustimmungsfähig sein wird, auch wenn ich nicht von jedem Punkt zu 100 Prozent überzeugt sein dürfte. Ich sehe aber den dringenden Handlungsbedarf und in den vorgelegten Kommissionsempfehlungen wichtige Meilensteine für die Sicherung der gesetzlichen Rente für die nächsten Generationen.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Rabanus
