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Guten Tag Frau Braun, warum hat Kultusministerin Schopper(Grüne) die Grundschulempfehlung wieder verbindlich gemacht, nachdem jahrelang der Elternwille galt?

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Martina Braun
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Frage von Michael P. •

Guten Tag Frau Braun, warum hat Kultusministerin Schopper(Grüne) die Grundschulempfehlung wieder verbindlich gemacht, nachdem jahrelang der Elternwille galt?

Laut Wahlomat (https://www.swr.de/swraktuell/wahlen/landtagswahl/wahlomat-landtagswahl-2026-100.html) lehnen die Grünen die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung ab. Das halte ich auch für den einzig richtigen Weg. Warum hat die grüne Kultusministerin dann vor 2 Jahren genau das Gegenteil gemacht??? Dadurch ist es wieder so, dass Kindern der Besuch des Gymnasium verweigert wird, wenn sie nicht...

a) die Grundschulempfehlung bekommen oder

b) den Kompass4-Test bestehen oder

c) den Potentialtest bestehen

Dabei sind aber die Optionen b) und c) so ausgestaltet, dass sie eigentlich nur Kinder schaffen können, die aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit so eindeutig auf das Gymnasium gehören, dass auch die Grundschullehrerinnen dies erkennen und dementsprechend die Empfehlung geben. In der Praxis sind der Kompass4-Test und der Potentialtest für Kinder und Eltern somit wertlos.

Ich rechne mit einer Antwort noch vor der Landtagswahl und danke Ihnen im Voraus.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr P., 

haben Sie vielen Dank für Ihre Nachfrage zur verbindlichen Grundschulempfehlung, die ich Ihnen gerne beantworten möchte. 

Im Vorfeld möchte ich zu Ihrer Ausführung hinsichtlich der aktuellen Regelung noch anmerken, dass es in der aktuellen Grundschulempfehlung immer um 2 aus 3 der von Ihnen genannten Komponenten geht. Zudem wurde der Kompass 4-Test nach den Erfahrungen des ersten Durchgangs stark überarbeitet; weitere Details finden Sie hier: https://km.baden-wuerttemberg.de/de/service/pressemitteilung/pid/kompass-4-ergebnisse-liegen-vor

Doch wie kam es zur aktuellen Regelung? Die Arbeit in einer Koalition bringt es immer wieder mit sich, dass unterschiedliche politische Positionen zusammengeführt werden müssen, um bei einem Thema grundsätzlich vorankommen zu können. Für die CDU war bei der wichtigen Bildungsreform die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung eine zentrale Forderung. Das jetzige Modell ist daher ein Kompromiss, also ein Zugeständnis von uns Grünen, den wir in der Zusammenarbeit mit der CDU mittragen mussten, um insgesamt bei der Bildungsreform handlungsfähig zu bleiben.

Wir Grüne haben diese Regelung dann während der gemeinsamen Regierungszeit mitgetragen, aber im Wahlkampf können wir nun wieder für unser eigenes Programm stehen – daher weicht unser Standpunkt im Wahlomt von der derzeitigen Regelung ab.

Denn unsere grundsätzliche Haltung hat sich nicht geändert: Wir Grüne lehnen eine verbindliche Grundschulempfehlung ab. Stattdessen setzen wir auf eine Weiterentwicklung des Verfahrens und auf Beratung und engen Austausch, der das Kind in den Mittelpunkt stellt. Uns ist wichtig, dass die Entscheidung für die weiterführende Schule immer im Sinne des Kindes getroffen wird: Relevant hierfür sind die Leistung des Kindes, die Einschätzung der Lehrkraft und der Elternwille. Im Zusammenspiel dieser drei Aspekte und im offenen Dialog zwischen Schule und Eltern soll die beste Lösung für jedes einzelne Kind gefunden werden.

Ich hoffe, dass Sie mit meiner Erklärung die Entstehung der aktuellen Regelung und unsere grundlegende Grüne Position zur Grundschulempfehlung nachvollziehen können. Melden Sie sich gerne bei Rückfragen.

Schönen Gruß von Martina Braun 

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