Label
Wie stehen Sie der Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen gegenüber? Es wird zu Praxisschließungen und einer Verschlechterung der Versorgung führen.

Portrait von Max Lucks
Max Lucks
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
86 %
12 / 14 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Christina S. •

Wie stehen Sie der Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen gegenüber? Es wird zu Praxisschließungen und einer Verschlechterung der Versorgung führen.

Sehr geehrter Herr Lucks,

durch die geplante Reform werden Praxen gezwungen zu schließen, da es wirtschaftlich (auch durch die 4,5% Kürzung im April) nicht mehr tragbar sein wird. Des Weiteren werden Therapieplätze wegfallen. Ambulante Psychotherapie spart langfristig 2-4€ (Studie von der Techniker Krankenkassen) pro investiertem Euro. Die Kosten für eine Praxis steigen stetig. Ich habe akute Existenzangst und möchte meine Patienten nicht hängen lassen, sehe aber bei der geplanten Umsetzung keine andere Möglichkeit als mich neu zu orientieren.

Portrait von Max Lucks
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Liebe Frau S.,

die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11.03.2026, die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 % zu senken, finde ich falsch und skandalös. 

In einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zunehmen und der Bedarf an Therapieplätzen kontinuierlich steigt, ist eine Absenkung der Vergütung ein falsches und gesundheitspolitisch kontraproduktives Signal. Es ist nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet in einem bereits stark belasteten Versorgungsbereich Einsparungen vorgenommen werden. Eine angemessene Finanzierung psychotherapeutischer Leistungen ist unverzichtbar, um eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.

Bereits heute sind die Wartezeiten für Patient*innen vielerorts unzumutbar lang, während gleichzeitig zahlreiche Praxen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen. Die beschlossene Honorarkürzung droht diese Situation weiter zu verschärfen und setzt Fehlanreize zulasten gesetzlich Versicherter. Damit wird die Stabilität der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung ernsthaft gefährdet.

Zugleich beobachten wir infolge multipler gesellschaftlicher Krisen einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Das bestehende Hilfesystem stößt vielerorts an seine Kapazitätsgrenzen. Niedrigschwellige und bedarfsgerechte Zugänge zu psychosozialer und therapeutischer Unterstützung sind jedoch zentrale Voraussetzungen für eine wirksame Versorgung. Dass Betroffene in akuten Krisen monatelang auf Hilfe warten müssen, ist nicht hinnehmbar.

Vor diesem Hintergrund sind strukturelle Reformen dringend erforderlich. Pauschale Kürzungen leisten hierzu keinen Beitrag, sondern verschärfen bestehende Fehlentwicklungen im System. Gemeinsam mit meiner Kollegin aus dem Gesundheitsausschuss, Kirsten Kappert-Gonther, setze ich mich daher für eine nachhaltige Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung ein. Mit dem Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) wurden konkrete Vorschläge in den Deutschen Bundestag eingebracht.

Zentrale Forderungen sind eine grundlegende Reform der Bedarfsplanung, die sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf orientiert, sowie eine eigenständige Planung für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus ist eine Angleichung der Versorgungsstrukturen zwischen städtischen und ländlichen Regionen erforderlich, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu gewährleisten. Insbesondere für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen müssen gezielt zusätzliche Angebote geschaffen werden.

Nicht zuletzt ist die Sicherstellung ausreichender Fachkräfte entscheidend für die Zukunft der Versorgung. Dazu gehört eine verlässliche und angemessene Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.

Ich werde mich weiterhin mit Nachdruck für faire finanzielle Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Stärkung der psychischen Gesundheitsversorgung einsetzen. Psychische Gesundheit darf nicht von ökonomischen Zwängen oder dem Versicherungsstatus abhängig sein.

Mit freundlichen Grüßen
Max Lucks

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Max Lucks
Max Lucks
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Max Lucks