Wie begegnen Sie dem Risiko einer KI-bedingten Arbeitslosenwelle? Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits beschlossen oder geplant, ab wann greifen sie,wie sieht Ihre langfristige KI-Strategie aus.
Der zunehmende Einsatz von KI wird laut zahlreichen Studien in den kommenden Jahren erhebliche Rationalisierungseffekte haben. Betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern zunehmend auch Verwaltung, IT, Planung und wissensbasierte Berufe.
Vor diesem Hintergrund interessiert mich: – Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?
– Welche konkreten politischen Maßnahmen existieren bereits (z. B. Weiterbildung, Umschulung, soziale Absicherung, neue Arbeitsmodelle)?
– Falls sich Maßnahmen noch in Planung befinden: Ab wann ist mit umsetzungsreifen Programmen oder Gesetzesinitiativen zu rechnen?
– Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?
Ich bitte um eine konkrete und möglichst faktenbasierte Antwort.
Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?
Ich sehe in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sowohl große Chancen als auch ernstzunehmende Risiken für den Arbeitsmarkt. KI kann viele Tätigkeiten effizienter machen und Beschäftigte von Routinetätigkeiten entlasten. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass sich bestimmte Aufgabenbereiche deutlich verändern werden – insbesondere in Verwaltung, IT, Planung und wissensbasierten Berufen. Studien zeigen, dass KI nicht nur einfache Tätigkeiten betrifft, sondern zunehmend auch qualifizierte Arbeit.
Ob es zu größeren Arbeitsplatzverlusten kommt, hängt entscheidend davon ab, wie dieser Wandel politisch begleitet wird. KI muss aktiv gestaltet werden – durch Qualifizierung, Weiterbildung und klare Regeln –, damit sie nicht zu sozialer Spaltung führt.
Welche politischen Maßnahmen existieren bereits?
Wir Grüne setzen auf eine aktive Gestaltungsstrategie für KI. In Baden-Württemberg wird gezielt in KI-Forschung und -Infrastruktur investiert. Beispiele sind das Cyber Valley in Tübingen, der Innovationspark IPAI in Heilbronn sowie das Hochleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS). Hier entstehen neue Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven, statt bestehende zu verdrängen. Wir begreifen Künstliche Intelligenz als zentralen Treiber der Wirtschaft der Zukunft. Wir bündeln die Stärken unserer KI-Hotspots und sorgen für einen schnellen Transfer von Forschung in die Praxis. Gleichzeitig sehen wir die Risiken von KI sehr klar. Deshalb wird im Land die Medien- und Digitalkompetenz gestärkt – nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger. Programme wie MedienFokus BW fördern entsprechende Bildungsangebote.
Die Grüne Bundestagsfraktion setzt sich für eine schnelle und konsequente Umsetzung des EU Artificial Intelligence Act ein. Dieser schafft verbindliche Regeln, verbietet besonders schädliche KI-Anwendungen und schützt Grundrechte sowie Beschäftigte.
Um den Gefahren KI-gestützter Desinformation zu begegnen, werden lokale Qualitätsmedien gezielt unterstützt. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, insbesondere der SWR, spielt dabei eine wichtige Rolle.
Welche Maßnahmen befinden sich noch in Planung, und ab wann greifen sie?
Viele Maßnahmen zur Gestaltung von KI befinden sich in der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Die Umsetzung des EU AI Acts wird in den kommenden Jahren schrittweise wirksam und bildet einen verbindlichen Rahmen für KI-Einsatz in Europa.
Darüber hinaus werden auf Bundes- und Landesebene Programme zur Weiterbildung, Umschulung und zum lebenslangen Lernen weiter ausgebaut. Ziel ist es, Beschäftigte frühzeitig auf Veränderungen vorzubereiten und Übergänge in neue Tätigkeitsfelder sozial abzusichern. Konkrete Zeitpläne hängen von den jeweiligen parlamentarischen Verfahren ab.
Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?
Mein Ziel ist eine menschzentrierte KI. KI soll Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen, nicht ersetzen. Sie soll zu besserer Arbeitsqualität, mehr Zeit für kreative und soziale Tätigkeiten und zu höherer Produktivität beitragen – ohne soziale Sicherheit zu gefährden.
Kunst, Kultur und kreative Arbeit müssen dabei besonders geschützt werden. KI darf Kreativität ergänzen, aber nicht entwerten oder ausbeuten.
Zugleich ist es ein zentrales Anliegen, dass Europa bei Schlüsseltechnologien souverän bleibt. Wir dürfen uns weder von US-amerikanischen noch von chinesischen Konzernen abhängig machen. Ziel ist eine demokratische, nachhaltige und sozial gerechte KI-Entwicklung „made in Europe“.
