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Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung zu?

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Sabine Weigand
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Jana S. •

Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung zu?

Sehr geehrte Frau Weigand,

ich würde gerne von ihnen erfahren, ob Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung zustimmen?

Herzlichen Dank.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Liebe Jana S.,

vielen Dank für Ihre Frage - ich freue mich, dass Sie geschrieben haben.

Ich bin für das Thema zwar keine Expertin (mein Fachgebiet ist der Denkmalschutz), und es ist auch keines, das im Landtag abgestimmt wird, sondern im Bund, aber das ist ein guter Anlass, mir dazu Gedanken zu machen. Hier meine Überlegungen:

Wir Grüne lehnen ja eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung bisher eher ab; offizielle Linie ist, das gesetzliche Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent zu stabilisieren und statt eines starren Hinausschiebens des Rentenalters auf flexible Übergänge und bessere Arbeitsbedingungen zu setzen, also Anreize zu schaffen, damit die Menschen, die das können, freiwillig länger arbeiten. Denn eins ist klar: Wir müssen neue Wege und Lösungen finden, wie wir bei einer steigenden Anzahl an Rentner*innen und einer immer längeren Lebensdauer der Menschen die Rente zukünftig finanzieren wollen.

Das gesetzliche Renteneintrittsalter steigt bis 2031 auf 67 Jahre an. Derzeit gehen Menschen im Schnitt mit 64,7 Jahren in Rente. 60 Prozent der Rentner*innen gehen vor 67 in Rente. Es wäre aber gut, wenn der tatsächliche Einstieg in die Rente weiter ansteigen würde. Denn: Würden alle Beschäftigten tatsächlich bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten, würde der Beitragssatz bis 2030 um knapp ein Prozent sinken.

Derzeit gibt es in vielen großen Unternehmen Frühverrentungsprogramme, um die ältere Belegschaft deutlich vor dem Renteneintrittsalter zu verabschieden. Das ist für viele eine schöne Sache, aber andererseits brauchen wir jede Hand auf unserem Arbeitsmarkt. Wer gesund ist und kann, sollte eigentlich bis 67 arbeiten – und wer will, gerne darüber hinaus. Hier sind auch die Unternehmen in der Pflicht, einen Kulturwandel weg von der Frühverrentung und Altersteilzeitprogrammen hinzubekommen, um unsere Fachkräftebasis nicht zusätzlich zu verringern. Vor diesem Hintergrund gilt es natürlich auch, Regelungen regelmäßig zu überprüfen, über die Beschäftigte ganz unabhängig von ihrem gesundheitlichen Zustand frühzeitig aus dem Arbeitsmarkt aussteigen.

Ich glaube, wir müssen die sogenannte „Rente mit 63“ weiterentwickeln. Allerdings: Für all diejenigen, die sich heute auf die bestehende Regelung verlassen, ist es eine Frage politischer Verlässlichkeit, diese Regelung nicht kurzfristig infrage zu stellen. Deshalb meine ich, dass die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte in den kommenden Jahren so bleiben sollte. Die Menschen haben sich darauf eingerichtet und es ist eine Frage des Vertrauens in die Politik, diese Regelung jetzt nicht anzufassen. Mittelfristig wird eine Weiterentwicklung aber notwendig sein. Möglicherweise wäre es eine tragbare Lösung, wenn ab 2030 die "Rente mit 63" langsam und schrittweise in eine neue Rentenart überführt werden würde, die wirklich nur noch denen zugutekommt, die aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen.

Gleichzeitig müssen aber auch für besonders belastete Berufe die Bedingungen vereinfacht werden, einen früheren Ausstieg zu nutzen. Denn die Lebenslagen von Menschen sind ja sehr unterschiedlich. Einige können schon mit Anfang 60 nicht mehr oder nur noch in Teilzeit arbeiten. Dies gilt gerade für Menschen in körperlich schweren oder auch psychisch fordernden Berufen. Ich kenne aber auch etliche Menschen, die gerne länger arbeiten würden, wenn die Bedingungen stimmen, z.B. in Teilzeitmodellen. Dann würden sie bis 67 bleiben und vielleicht sogar darüber hinaus. Also mein Fazit: Das reguläre gesetzliche Renteneintrittsalter sollte nicht angehoben werden, aber es braucht eine Erhöhung des faktischen Renteneintrittsalters.

Ganz generell brauchen wir mehr Gesundheitsförderung im Beruf, gerade für ältere Beschäftigte. Präventionsprogramme und Reha-Angebote müssen ausgebaut, besser verzahnt und für Beschäftigte auch einfach erreichbar sein. Und auch die Arbeitgeber müssen den Gesundheitsschutz beachten und altersgerechte Arbeitsbedingungen schaffen. In manchen Fällen könnten z.B. Schulungen oder Weiterbildungen einen Tätigkeitswechsel in körperlich/psychisch weniger anstrengende Bereiche unterstützen.

So, jetzt hoffe ich, Sie können meine Überlegungen ein bisschen nachvollziehen und grüße Sie herzlich,

Sabine Weigand

 

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