Wie stehen Sie zum geplanten Archäologischen Landesmuseum am Stadthafen Rostock?
Die meisten Rostockerinnen und Rostocker lehnen ein Landesmuseum am Stadthafen ab — insbesondere angesichts der Kosten. Der Stadthafen sollte als Freiraum erhalten bleiben. Ein Landesmuseum gehört eher in den ländlichen Raum, zum Beispiel nach Vorpommern, wo viele der Ausgrabungen stattgefunden haben, statt Wasserflächen am Stadthafen zu bebauen. Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich der geplanten Architektur sowie die Frage, ob Steuergelder sinnvoll für eine kleine Zielgruppe archäologieinteressierter Besucherinnen und Besucher eingesetzt werden.
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ich halte ein Archäologisches Landesmuseum grundsätzlich für eine Bereicherung für Rostock. Allerdings ist es eben ein Landesmuseum und damit in erster Linie auch eine Aufgabe des Landes. Für mich ist deshalb entscheidend, dass daraus kein finanzielles Risiko für die Stadt Rostock entsteht.
Den ursprünglich geplanten Bau im Stadthafen sehe ich inzwischen kritisch. Das Projekt ist im Landeshaushalt nicht mehr entsprechend abgesichert und die Kosten sind deutlich gestiegen. Aus meiner Sicht kann man deshalb nicht einfach an den ursprünglichen Planungen festhalten. Auch der Stadthafen ist für Rostock ein wichtiger Freiraum, mit dem wir sorgfältig umgehen sollten.
Die Societät ist für mich zunächst unabhängig davon ein wichtiges Thema. Das Gebäude ist historisch bedeutend und wurde leider über viele Jahre vernachlässigt. Deshalb sollte man sich ernsthaft mit seiner Zukunft beschäftigen. Ob die Societät allerdings tatsächlich für das Archäologische Landesmuseum geeignet ist, ist damit noch lange nicht beantwortet. Dafür müssen insbesondere die bauliche Eignung, die notwendigen Flächen und die Kosten für Sanierung, Umbau und einen möglichen Anbau geklärt werden. Ein altes Gebäude zu sanieren ist nicht automatisch günstiger als ein Neubau.
Auch die 2021 zwischen Stadt und Land geschlossene Kooperationsvereinbarung sehe ich nicht als Verpflichtung, jetzt unabhängig vom ursprünglichen Projekt 15 Millionen Euro oder mehr in die Societät zu investieren. Die damals vorgesehenen 15 Millionen Euro bezogen sich auf das konkrete Projekt am Stadthafen. Sie sind kein frei verfügbares Guthaben für ein anderes Museumsprojekt.
Rostock kann und sollte ein Landesmuseum unterstützen. Die Hauptverantwortung für ein Landesmuseum muss aber beim Land liegen. Das gilt insbesondere für die Finanzierung.
Als Rostocker Direktkandidat werde ich deshalb für eine Lösung eintreten, die die Interessen unserer Stadt wahrt: ein attraktives Landesmuseum, wenn es fachlich und finanziell sinnvoll ist – aber keinen Blankoscheck zulasten des Rostocker Haushalts. Bevor die Stadt weitere erhebliche Mittel zusagt, müssen Standort, bauliche Eignung, Gesamtkosten und langfristige Folgekosten transparent und belastbar auf dem Tisch liegen.
