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Wie positionieren Sie sich zu dem Reformpaket der Bundesregierung?

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Sebastian Schäfer
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Lea V. •

Wie positionieren Sie sich zu dem Reformpaket der Bundesregierung?

​Sehr geehrter Herr Dr. Schäfer,
​das frisch vorgestellte Reformpaket der Bundesregierung zielt auf tiefgreifende strukturelle Veränderungen ab, um Wirtschaft und Beschäftigung anzukurbeln. Die 34 Maßnahmen berühren dabei fast alle Lebensbereiche, von arbeitsmarktpolitischen Verschärfungen über steuerliche Anpassungen bis hin zu Neuregelungen bei der Alterssicherung.
​Mich interessiert als Bürger und Wähler, wie Sie dieses Gesamtpaket beurteilen und wie Sie sich bei der anstehenden Abstimmung im Deutschen Bundestag positionieren werden.
​Halten Sie die vorgeschlagene Balance zwischen wirtschaftlichen Anreizen und gesellschaftlichen Zumutungen für ausgewogen? Welche alternativen Schwerpunkte und Impulse halten Sie für zielführender, um Deutschland zukunftsfest aufzustellen, ohne den sozialen Zusammenhalt zu gefährden?
​Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zeit und Ihre Rückmeldung.
​Mit freundlichen Grüßen
Lea V.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau V.,

 

haben Sie Dank für Ihre Fragen.

 

Aus Sicht meiner Fraktion und mir ist dieses Paket kein großer Wurf, sondern in weiten Teilen eine Mogelpackung. Die Vielzahl der Einzelmaßnahmen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass zentrale Zukunftsfragen bei Gesundheit, Pflege, Klimaschutz und der sozialen Sicherung ungelöst bleiben.

 

Besonders kritisch sehe ich, dass Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen kaum spürbar entlastet werden. Geringe steuerliche Entlastungen könnten durch steigende Sozialversicherungsbeiträge vollständig aufgezehrt werden. Zugleich sind die geplanten Verschärfungen bei der Krankschreibung eine Misstrauenserklärung gegenüber den Beschäftigten und würden Arztpraxen zusätzlich belasten.

 

Auch Familien drohen neue Belastungen. Die geplante Verkürzung des Elterngeldbezugs, Kürzungen beim Kindersofortzuschlag und beim Unterhaltsvorschuss treffen insbesondere Eltern mit kleinen Einkommen und Alleinerziehende. Eine zukunftsfeste Politik muss Familien entlasten, statt ihnen zusätzliche Unsicherheit aufzubürden.

 

Für die Wirtschaft fehlt ebenfalls der notwendige Impuls. Wir brauchen niedrigere Stromkosten auch für den Mittelstand, Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung und klimaneutrale Technologien. Dass die Bundesregierung gleichzeitig beim Klima- und Transformationsfonds sowie bei der Förderung klimafreundlicher Heizungen kürzen will, halte ich für wirtschafts- und klimapolitisch falsch.

 

Die vorgeschlagene Balance zwischen wirtschaftlichen Anreizen und gesellschaftlichen Zumutungen ist daher aus meiner Sicht nicht ausgewogen. Einem Gesamtpaket, das Beschäftigte und Familien derart belastet, zentrale Reformen ausspart und beim Klimaschutz zurückfällt, werde ich in dieser Form nicht zustimmen. Dabei ist natürlich wichtig: Über die 34 Maßnahmen wird nicht als geschlossenes Gesamtpaket abgestimmt, sondern über zahlreiche einzelne Gesetzesvorhaben. Deren Ausgestaltung werden wir am Ende jeweils sorgfältig prüfen und dann einzeln bewerten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Schäfer

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