Sind Sie für die Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung?
Sehr geehrter Herr Steinicke,
der Kanzler sagt immer wieder, dass wir alle sparen müssen. Jetzt sollen aber all die hart arbeitenden Menschen länger arbeiten um Geld beim Sozialstaat zu sparen, während Menschen, die von ihren Renditen leben, keine solche drastische Einschränkungen erfahren sollen. Finden Sie das fair? Kann man solch einem Vorschlag wirklich zustimmen?
Hat man nicht jetzt schon mit 67 Jahren ein Renteneintrittsalter an dem man wirklich genug gearbeitet hat?
Sehr geehrter Herr B.,
vielen Dank für Ihre Frage. Gerne möchte ich darauf eingehen.
Sie sprechen zwei unterschiedliche politische Fragen an. Die Diskussion über die Besteuerung von Kapitaleinkünften ist eine steuerpolitische Frage. Die Überlegungen zu einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung dienen hingegen der langfristigen Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Hintergrund der Überlegungen ist es, auf die steigende Lebenserwartung und den demografischen Wandel zu reagieren. Während die Menschen heute deutlich länger leben als noch vor einigen Jahrzehnten, muss auch die langfristige Finanzierbarkeit unseres Rentensystems gewährleistet bleiben. Nur so kann unser Rentensystem dauerhaft funktionsfähig bleiben.
Dabei gilt: Steigt die durchschnittliche Lebenserwartung um ein Jahr, würde die Regelaltersgrenze nicht ebenfalls um ein volles Jahr steigen. Nach den diskutierten Vorschlägen würden die Menschen in diesem Fall acht Monate länger arbeiten und gleichzeitig vier Monate länger Rente beziehen. Nach den derzeitigen Bevölkerungsprognosen würde die Regelaltersgrenze daher nur schrittweise und in moderatem Umfang ansteigen. Für heutige Rentner sowie für alle Jahrgänge bis einschließlich 1964 würde sich nichts ändern.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Steineke
