Sehr geehrter Herr MdB Müller, sind Sie (und ihre jüngere CDU-Generation) aktiv gewillt, Stasi-IM-Verbindungen ALLER Ost-CDU'er:innen (SED-"Blockflöten") umfassend und geschichtsfest aufzuarbeiten ?
https://www.spiegel.de/politik/ehrlich-treu-zuverlaessig-a-807574d2-0002-0001-0000-000013501875
Sehr geehrter Herr MdB Müller,
ich bitte Sie höflich die (verlinkte) Festrede der Kanzlerin Merkel - vor dem Hintergrund der lange bekannten Faktenlage - zu lesen und aus der heutigen Sicht IHRER "jungen" CDU politisch zu bewerten :
Zitat-Merkel :
>"Lieber Lothar de Maizière ... Ich möchte dir persönlich ganz herzlich für das danken, was ich in der Zeit, als ich für dich und mit dir gearbeitet habe, lernen konnte."<
Zitat-Ende
Erg. Fragen :
1. Was konnte Kanzlerin Merkel 1990 - und was können SIE persönlich HEUTE (!) - von Lothar de Maizière alias IM Czerny ganz WICHTIGES für die CDU lernen ?
2. Werden Sie die Verstrickungen seitens IM-Czerny weiter aufklären lassen ?
3. Hätten auch SIE DIESE Festrede zu Ehren von IM-Czerny gehalten ?
MfG
Michael P.
Sehr geehrter Herr P.,
Ja — ich bin überzeugt, dass die Aufarbeitung möglicher Stasi-Verstrickungen umfassend, transparent und geschichtsfest erfolgen muss. Das gilt selbstverständlich auch für die Ost-CDU und ihre Geschichte in der DDR.
Gerade die CDU hat sich in den vergangenen Jahrzehnten intensiv mit ihrer Rolle und den Herausforderungen der DDR-Zeit auseinandergesetzt. Diese Aufarbeitung fand und findet kontinuierlich auf allen Ebenen statt. Zunächst gilt für mich: Die DDR war eine Diktatur. Das Ministerium für Staatssicherheit war ein Unterdrückungsapparat.
Lothar de Maizière bleibt eine prägende Persönlichkeit der Friedlichen Revolution und der deutschen Einheit. Unter seiner Führung wurde die erste demokratisch gewählte DDR-Regierung gebildet und die Wiedervereinigung politisch gestaltet. Diese historische Leistung bleibt Teil der deutschen Geschichte. Deshalb halte ich wenig von rückwirkenden moralischen Schnellurteilen aus heutiger Perspektive.
Lothar de Maizière zog aus den Vorwürfen politische Konsequenzen und trat von seinen Mandaten zurück. Lothar de Maizière hat trotz der unbewiesenen Vorwürfe politische Verantwortung übernommen und sein Amt niedergelegt, um Schaden von den noch jungen demokratischen Institutionen abzuwenden — ein Verständnis, welches ich mir auch von ehemaligen Funktionsträgern der SED wünschen würde, die noch heute Mandate ausüben.
Für meine Generation ist klar: Die Aufarbeitung der DDR-Diktatur endet nicht mit dem historischen Rückblick. Sie bleibt eine dauerhafte Aufgabe politischer Bildung und demokratischer Verantwortung.
