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Guten Tag, warum werden Lebensmittel teilweise halbiert und zu dem doppelten Preis verkauft?

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Simone Borchardt
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Frage von Elke Raskob E. •

Guten Tag, warum werden Lebensmittel teilweise halbiert und zu dem doppelten Preis verkauft?

Guten Tag, warum werden Lebensmittel teilweise halbiert und zu dem doppelten Preis verkauft? Es wird immer weniger für viel mehr Geld. Die Gehälter steigen nicht in dem Maß bis gar nicht! Wenn es so weitergeht, haben wir eine große Packung Cornflakes für eine Portion für 4.99 € ! Wie soll man da noch eine Familie satt bekommen? Wann reagiert die Bundesregierung darauf? Andere Länder haben schon bei Einführung des Euros darauf geachtet. Warum steigen gleichzeitig die Gewinne der " Verteuerer" bei NTV abends zu lesen!! Wir fühlen uns betrogen und das im höchsten Maße!!!

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Antwort von CDU

Weniger Inhalt, gleicher Preis: Mogelpackungen dürfen nicht zur Geschäftsstrategie werden.

Sehr geehrte Fragestellerin, sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich verstehe Ihren Ärger sehr gut. Gerade bei Lebensmitteln fällt jede versteckte Preiserhöhung sofort auf, weil Familien diese Ausgaben nicht verschieben können. Wenn der Inhalt kleiner wird, der Preis gleich bleibt oder sogar steigt, entsteht zu Recht der Eindruck: Man bekommt weniger und zahlt mehr.

Dieses Phänomen wird als „Shrinkflation“ bezeichnet. Gemeint ist: Die Packung sieht ähnlich aus, enthält aber weniger. Der Preis bleibt gleich oder steigt. Dadurch erhöht sich der tatsächliche Preis pro Kilogramm oder Liter oft deutlich. Die Verbraucherzentrale Hamburg dokumentiert solche Fälle seit Jahren und weist darauf hin, dass Hersteller durch reduzierte Inhaltsmengen faktisch Preiserhöhungen durchsetzen können. 

Besonders ärgerlich ist, dass manche Hersteller die Verringerung der Füllmenge inzwischen sogar offensiv als Transparenz verkaufen. Auf Verpackungen finden sich Hinweise wie „Weniger Inhalt, gleiche Qualität“. Sinngemäß wird damit vermittelt: weniger Ware, aber alles sei in Ordnung, weil Geschmack oder Qualität gleich blieben. Formal ist ein solcher Hinweis ehrlicher als eine völlig versteckte Reduzierung. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt der Kern aber derselbe: Sie erhalten weniger Inhalt und müssen genauer rechnen, um die tatsächliche Verteuerung zu erkennen.

Ein ähnliches Problem sehen wir bei Ersatzstoffen, die als Innovation oder Nachhaltigkeitsgewinn vermarktet werden. Ein Beispiel ist ChoViva, eine kakaofreie Schokoladenalternative, die nach Herstellerangaben aus gemahlenen Sonnenblumenkernen hergestellt wird und mit deutlich geringeren CO₂-Werten gegenüber herkömmlicher Schokolade beworben wird. Man beschreibt ChoViva als Alternative, die wie Schokolade schmecken, aussehen und sich anfühlen soll, aber ohne Kakao auskommt. 

Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden, solange klar erkennbar bleibt, was die Verbraucher tatsächlich kaufen. Problematisch wird es dort, wo ein schokoladenartiges Produkt mit Sonnenblumenkernen, Hafer oder anderen Ersatzstoffen den Eindruck erweckt, es handele sich um eine gleichwertige Fortsetzung des bisherigen Produkts. Kakao ist ein wertiger und teurer Rohstoff. Wenn er ersetzt wird, muss das deutlich, verständlich und ohne Schönfärberei kenntlich gemacht werden. Innovation darf nicht zur Nebelwand werden, hinter der hochwertige Inhaltsstoffe stillschweigend durch günstigere Alternativen ersetzt werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg spricht in solchen Fällen von „Skimpflation“, also dem Austausch hochwertiger Zutaten durch billigere Ersatzstoffe, ohne dass Verbraucherinnen und Verbraucher dies auf den ersten Blick erkennen. 

Die Ursachen der Lebensmittelpreise sind vielschichtig. Ein Preis im Supermarkt entsteht nicht erst an der Kasse. Er setzt sich aus landwirtschaftlicher Erzeugung, Rohstoffen, Verarbeitung, Verpackung, Energie, Transport, Lagerung, Kühlung, Personal, Mieten, Handelsspannen und Steuern zusammen. Wenn etwa Kakao, Kaffee, Zucker, Getreide, Milch, Fleisch oder Obst teurer werden, schlägt sich das häufig zeitverzögert im Ladenpreis nieder. Hinzu kommen höhere Energiepreise, Lohnkosten, Logistikkosten, Verpackungskosten und klimabedingte Ernteausfälle.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für Nahrungsmittel im März 2026 insgesamt um 0,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Einzelne Warengruppen verteuerten sich aber deutlich stärker: Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren um 6,1 Prozent, darunter Schokolade um 9,6 Prozent, Obst um 4,7 Prozent, frisches Gemüse um 3,8 Prozent sowie Fleisch und Fleischwaren um 3,6 Prozent. Das erklärt, warum die amtliche Durchschnittszahl oft niedriger wirkt als das, was viele Menschen beim konkreten Einkauf erleben. 

Gleichzeitig muss man klar unterscheiden: Nicht jede Preiserhöhung ist automatisch Betrug. Steigen Rohstoffkosten, Energiepreise oder Löhne, können auch Verkaufspreise steigen. Problematisch wird es dort, wo Preiserhöhungen verschleiert werden, etwa durch fast unveränderte Verpackungen bei geringerem Inhalt, größere Luftanteile in Packungen, den Austausch hochwertiger Zutaten oder eine Grundpreisangabe, die im Alltag kaum wahrgenommen wird. Genau hier braucht es mehr Transparenz.

Auch die Frage nach Gewinnen und Marktmacht ist berechtigt. Einzelne Gewinnmeldungen beweisen noch keinen unzulässigen Preisaufschlag. Aber der Lebensmitteleinzelhandel ist in Deutschland stark konzentriert. Die Monopolkommission hat 2025 empfohlen, die voranschreitende Konzentration im Einzelhandel zu stoppen und Zusammenschlüsse stärker danach zu prüfen, wie sie sich auf die gesamte Lebensmittellieferkette auswirken. Das ist ein wichtiger Punkt, denn funktionierender Wettbewerb ist der beste Schutz vor überhöhten Preisen. 

Der Staat kann und sollte in einer sozialen Marktwirtschaft nicht jeden Lebensmittelpreis festsetzen. Preisdeckel klingen zunächst naheliegend, führen aber häufig zu Ausweichreaktionen, geringerer Auswahl oder neuen Knappheiten. Richtig ist aus meiner Sicht ein anderer Weg: klare Kennzeichnung, bessere Lesbarkeit von Grundpreisen, konsequente Kontrolle gegen irreführende Verpackungen, schärfere Regeln gegen Mogelpackungen und ein wachsames Kartellrecht gegenüber zu großer Marktmacht.

Zur Wahrheit gehört auch: Die Löhne haben im Durchschnitt zuletzt wieder stärker zugelegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Nominallöhne 2025 um 4,2 Prozent, die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent, daraus ergab sich ein Reallohnanstieg von 1,9 Prozent. Aber Durchschnittswerte helfen einer Familie an der Supermarktkasse nur begrenzt. Viele Haushalte spüren weiterhin die Preiswelle der vergangenen Jahre, weil das Preisniveau nicht automatisch wieder auf den Stand vor Corona oder vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückfällt.

Mein Standpunkt ist deshalb klar: Lebensmittel müssen bezahlbar bleiben, und Verbraucher dürfen nicht durch optisch gleich große Packungen mit weniger Inhalt getäuscht werden. Dasselbe gilt für Produkte, bei denen hochwertige Zutaten durch günstigere Ersatzstoffe ersetzt und anschließend als besonders innovativ verkauft werden. Wo Kosten real steigen, muss das offen benannt werden. Wo aber über kleinere Füllmengen, unklare Verpackungen, schlechtere Rezepturen oder schlechte Grundpreiskennzeichnung verschleiert wird, braucht es strengere Transparenz und konsequente Kontrolle. Das ist eine Frage von Fairness, Vertrauen und Alltagstauglichkeit für Familien.

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