Lieber Herr Möller, sollte man das Wahlalter in Deutschland senken und wenn ja, wie sollte die Gestaltung davon Ihrer Meinung nach aussehen?
Sehr geehrter Herr S.,
ich halte nichts von einer frühzeitigen Politisierung junger Menschen durch „Erziehung“ und bin deshalb auch der Meinung, dass man das Wahlalter nicht absenken sollte. Das Recht auf die zentrale Entscheidung in einer Demokratie sollte meines Erachtens an die volle Übernahme der eigenen Verantwortung gekoppelt bleiben. Die volle Geschäftsfähigkeit tritt aus guten Gründen mit 18 Jahren ein. Also sollte auch das Wahlrecht weiter an das Erreichen eines Lebensalters von 18 Jahren gekoppelt sein.
Ab diesem Zeitpunkt beginnt man auch allmählich - je nach Grad der selbstständigen Lebensführung - die Auswirkungen politischer Entscheidungen zu spüren. Das ist aus meiner Sicht entscheidend, wenn man Für und Wider von politischen Programmen abwägen möchte. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn man für sehr harte klimaschutzpolitische Maßnahmen ist, insbesondere hohe CO2-Abgaben, sollte man die Auswirkungen auf die eigene Lebensführung kennen.
Ich bin auch der Überzeugung, dass Jugendliche in der Regel unterhalb des 18. Lebensjahrs und ohne erzieherische Einwirkung andere Prioritäten haben, als sich zu politisieren und über Wahlprogramme nachzudenken. In dieser Phase des Lebens steht in der Regel die eigene Persönlichkeit und das Erwachsenwerden im Vordergrund. Die Ausbildung, die erste Beziehung, dass Austesten von Freiheiten in der Gesellschaft, die Auswahl von Leitbildern und Vorbildern - all das sollte von politischen Fragen unberührt geschehen und im Vordergrund stehen. Und das tut es meines Erachtens auch in fast allen Fällen.
Freundliche Grüße
Stefan Möller
