Label
Sehr geehrter Herr Mayer,wie lange gehörte Bayern zu den Nehmerländern im Länderfinanzausgleich ? MfG Patrik B.

Portrait von Stephan Mayer
Stephan Mayer
CSU
100 %
14 / 14 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Patrik B. •

Sehr geehrter Herr Mayer,wie lange gehörte Bayern zu den Nehmerländern im Länderfinanzausgleich ? MfG Patrik B.

Herr Söder stellt immer den Länderfinanzausgleich zur Disposition mit der Begründung einer Überforderung Bayerns.Kritiker dieser Argumentation verweisen auf die Zeit als Bayern Empfängerland war.

Entspricht das der Wahrheit? Und wenn, wie lange und in welcher Höhe hat Bayern Leistungen empfangen?

Portrait von Stephan Mayer
Antwort von CSU

Sehr geehrter Herr B.,

ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Frage vom 01. März 2026, die ich sehr gerne beantworte. Ihre Frage gibt mir darüber hinaus die Gelegenheit im Lichte der Problematik des Länderfinanzausgleichs auf die einzigartige wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des Freistaats Bayern einzugehen. 

Historisch trifft es zu, dass der Freistaat Bayern 36 Jahre Empfängerland im Länderfinanzausgleich war. Nach den Abrechnungen des Bundesministeriums der Finanzen erhielt Bayern von 1950 bis einschließlich 1986 Ausgleichszuweisungen in einer Gesamthöhe von rund 3,39 Milliarden Euro. In den Jahren 1987 und 1988 war die Bilanz ausgeglichen; seit 1989 ist Bayern durchgehend Geberland.

Die heutige Situation stellt sich grundlegend anders dar. Aktuell wird auf Grundlage der Steuerschätzung ein Betrag von rund 11,7 Milliarden Euro erwartet. Das gesamte Ausgleichsvolumen aller Länder summiert sich auf rund 20 Milliarden Euro. Bayern würde damit annähernd 60 Prozent des Gesamtvolumens tragen und erneut mit großem Abstand größter Zahler sein.

Diese Zahlen verdeutlichen die Dimension der heutigen Belastung. Die Kritik der CSU und des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, MdL richtet sich dabei ausdrücklich nicht gegen das Prinzip der Solidarität zwischen den Ländern. Bayern steht zu seiner Verantwortung im föderalen System. Der Einwand betrifft vielmehr die konkrete Ausgestaltung des Mechanismus. Wenn ein einzelnes Land dauerhaft und in sehr erheblichem Umfang den überwiegenden Teil des Ausgleichs finanziert, stellt sich die Frage nach der Ausgewogenheit zwischen Solidarität und Eigenverantwortung neu. Aus bayerischer Sicht setzt das derzeitige System nur begrenzte Anreize für strukturelle Reformen in Empfängerländern, während die finanzpolitische Gestaltungsfähigkeit der Zahlerländer zunehmend eingeschränkt wird.

Der Weg vom Empfänger- zum größten Geberland ist aus meiner Sicht Ausdruck einer bemerkenswerten wirtschaftlichen Entwicklung. Bayern war in den Nachkriegsjahrzehnten strukturell deutlich schwächer und stark landwirtschaftlich geprägt. Durch konsequente Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung, durch eine innovationsgetriebene Industriepolitik und die Stärke des Mittelstands entwickelte sich der Freistaat zu einem der wirtschaftlich leistungsfähigsten Standorte Europas. Bayern gehört heute zu den wirtschaftlichen Motoren Deutschlands.

Ich danke Ihnen nochmals sehr herzlich für Ihre Frage und stehe Ihnen für Ihre Rückfragen selbstverständlich jederzeit sehr gerne persönlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Mayer, MdB

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Stephan Mayer
Stephan Mayer
CSU

Weitere Fragen an Stephan Mayer