Was halten Sie von einem Feuerwerksberechtigungssystem mit Führungszeugnis und Rückverfolgbarkeit, um Missbrauch und Umweltverschmutzung ohne Verbot zu verhindern?
Sehr geehrter Herr Mayer,
ich bin selbst Fan von Silvesterfeuerwerk – aber der jährliche Schaden durch unsachgemäßen Umgang, Verletzungen, Umweltverschmutzung und Sachbeschädigung ist enorm. Ein generelles Verbot lehne ich ab. Stattdessen schlage ich ein digitales Berechtigungssystem vor: Wer Pyrotechnik kaufen möchte, beantragt online eine Bescheinigung (z. B. per Führungszeugnisprüfung). Nur berechtigte Personen dürfen dann in der Verkaufswoche Feuerwerk kaufen. Die Produkte werden per Barcode registriert, damit Müll und Fehlverhalten rückverfolgbar sind. Zusätzlich könnten Müllentsorger mit Bonuspunkten oder Rabatten belohnt werden.
Das ist unbürokratisch, technisch umsetzbar, schützt Umwelt und Menschen – und erhält gleichzeitig die persönliche Freiheit. Ich bitte Sie herzlich, diesen Vorschlag ernsthaft zu prüfen und ggf. politisch einzubringen.
Ein bereits direkt umsetzbarer Vorwurf, liegt vor.
Mit freundlichen Grüßen
Felix D.
Sehr geehrter Herr D.,
ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Frage vom 07. Januar 2026 und für Ihren sehr differenzierten Vorschlag. Ich habe diesen mit großem Interesse und großer Aufmerksamkeit gelesen. Ich teile Ihre ausgewogene Betrachtung ausdrücklich und stelle Ihnen meinen Standpunkt zum Thema Feuerwerk sehr gerne dar.
Unbestritten ist, dass der Umgang mit privatem Feuerwerk zum Jahreswechsel seit Jahren ein vielschichtiges Problemfeld darstellt. Neben schweren Verletzungen, Bränden und erheblichen Sachschäden treten regelmäßig massive Belastungen für Umwelt und öffentliche Sicherheit auf: Feinstaubspitzen in kurzer Zeit, vermüllte Straßen und Parks, überlastete Rettungsdienste sowie ein hohes Konfliktpotenzial im öffentlichen Raum. Hinzu kommt das oftmals unterschätzte Tierwohl: Haus- und Wildtiere reagieren auf Lärm, Lichtblitze und Rauch mit erheblichem Stress, Panik und Fluchtverhalten, was nicht selten zu Verletzungen oder Verlusten führt. Diese Gemengelage zeigt, dass es nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit, öffentlicher Ordnung, Umwelt- und Tierschutz geht. Die zentrale politische Herausforderung besteht daher darin, wirksame und akzeptierte Steuerungsinstrumente zu finden, die Verantwortung stärken und Missbrauch begrenzen, ohne pauschal zu verbieten oder neue Regelungs- und Kontrollsysteme zu schaffen, die am Ende mehr Bürokratie als praktischen Nutzen erzeugen.
Ihr Vorschlag eines digitalen Berechtigungssystems mit Führungszeugnisprüfung und Rückverfolgbarkeit ist technisch durchaus denkbar. Zugleich sehe ich hier persönlich durchaus kritisch die Gefahr, dass ein solcher Ansatz am Ende zu deutlich mehr Bürokratie führt, sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für Verwaltung, Handel und Entsorgungswirtschaft. Antragsverfahren, Datenabgleiche, Registrierungspflichten und Kontrollmechanismen würden einen erheblichen organisatorischen Aufwand nach sich ziehen und müssten rechtlich wie praktisch sehr sauber ausgestaltet werden. Ob dies im Verhältnis zum erreichbaren Nutzen steht, wäre sorgfältig zu prüfen.
Gleichzeitig halte ich es für wichtig, die Diskussion nicht auf ein pauschales Verbot zu verengen. Silvesterfeuerwerk ist für viele Menschen Teil kultureller Praxis und persönlicher Freiheit. Diese Dimension darf in der politischen Debatte nicht ausgeblendet werden. Zielführender erscheinen mir deshalb Ansätze, die gezielt an Problemlagen ansetzen: konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln, bessere Aufklärung, klare Sanktionen bei Missbrauch sowie lokal differenzierte Regelungen dort, wo besondere Gefährdungen bestehen. Entsprechendes wird bereits mit Erfolg durchgeführt. Darüberhinausgehend bin ich persönlich für einen zusätzlich erweiterten Regelungsspielraum der Länder offen.
Ihre Anregung zeigt, dass es jenseits von „alles erlauben“ oder „alles verbieten“ ernsthafte Überlegungen gibt, wie Verantwortung, Sicherheit und Freiheit in ein besseres Gleichgewicht gebracht werden können. In diesem Sinne ist Ihr Impuls sehr wertvoll und trägt als konstruktiver Baustein zu einer sachlicheren Debatte bei.
Ich danke Ihnen nochmals sehr herzlich für Ihre Frage und stehe Ihnen selbstverständlich jederzeit sehr gerne persönlich für Ihre Rückfragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Stephan Mayer, MdB
