Was halten Sie von der Idee, dass man an bayerischen Schulen mehr praktische Schulfächer einführt?
Sehr geehrter Herr Engelhard,
nachdem wir uns in der Schule mit verschiedenen Parteien beschäftigt haben und auch selber Parteien und passende Parteiprogramme entwickeln sollten, kamen wir auf die Idee, dass mehr praktische Fächer sehr viel bei der Berufsorientierung und für das Leben helfen könnten.
Vielen Dank für Ihre Frage und das damit verbundene Engagement! Es freut mich sehr zu hören, dass Sie sich im Unterricht so intensiv mit Parteiprogrammen und der Gestaltung unserer Gesellschaft auseinandersetzen.
Ihren Wunsch nach einer stärkeren Berufsorientierung unterstütze ich voll und ganz. Zwar ist die Forderung nach praktischen Schulfächern nachvollziehbar, doch bin ich davon überzeugt, dass der wirksamste Weg nicht über neue Fächer im Lehrplan, sondern über eine deutliche Ausweitung von Pflichtpraktika führt.
Die Kapazitäten in der sogenannten „Stundentafel“ sind begrenzt. Ein neues Fach bedeutet in der Praxis fast immer, dass ein anderes Fach gekürzt werden muss. Zudem kann Schule die Realität der Arbeitswelt im Klassenzimmer oft nur bedingt abbilden.
Um die berufliche Orientierung frühzeitig zu fördern, bietet sich meiner Meinung nach die Einführung verpflichtender Praktika ab der 8. Klasse an. Wir haben in Bayern mit dem Betriebspraktikum in der 9. bzw. 10. Klasse bereits ein gutes Modell auf dem wir aufbauen müssen. Meiner Meinung nach sollten wir diese Formate stärken und ausweiten, da nichts den direkten Einblick in einen Betrieb ersetzen kann. Nur in der Praxis lernt man die echten Abläufe, die Kollegialität und die täglichen Herausforderungen eines Berufs wirklich kennen. Als Müller und Inhaber eines eigenen Betriebs in Attenhofen weiß ich aus erster Hand: Handwerk und Wirtschaft lernt man nicht nur aus Büchern, sondern auch durch das „Anpacken“.
Abschließend ist es mir wichtig, auf die politischen Rahmenbedingungen hinzuweisen: Die konkrete Gestaltung der Lehrpläne fällt in die Zuständigkeit des Bayerischen Kultusministeriums. Als Bundestagsabgeordneter setze ich mich zwar allgemein für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ein, die Entscheidung über Schulfächer und die weitere Ausgestaltung wird jedoch auf Landesebene getroffen.
