Halten Sie Ihre Teilnahme an der Vereidigung von Bundeswehrrekruten in Erfurt angesichts der aktuellen Aufrüstung mit ihrer Funktion als friedenspolitische Sprecherin der BSW-Fraktion vereinbar ?
Sehr geehrte Frau Wirsing,
ihre Partei, welche sie im Thüringer Landtag als Abgeordnete und friedenspolitische Sprecherin vertreten, wendet sich strikt gegen die aktuelle Aufrüstung der Bundesrepublik und eine Wiedereinführung einer Wehrpflicht. Bisher ging ich davon aus, das sie diesen BSW-Politikansatz unterstützen.
Das wird in meiner Wahrnehmung von einer Teilnahme an einer kürzlichen Vereidigung von Bundeswehrrekruten konterkariert.
Sehr geehrter Herr Andreas B.,
ich danke Ihnen für Ihre Nachfrage. Sie gibt mir die Möglichkeit, meine Sicht auf die Situation auch auf dieser Plattform noch einmal transparent darzulegen.
Es geht Ihnen um meine Teilnahme am Gelöbnis vergangenen Donnerstag auf dem Eisenacher Marktplatz.
Als langjährige Kommunalpolitikerin lebe ich in der Kreis-, Kur- und Garnisonsstadt Bad Salzungen, in der das Panzergrenadierbataillon 391 stationiert ist. Die Bundeswehr zählt hier – sowohl im militärischen als auch im zivilen Sektor – zu den größten Arbeitgebern. Sie ist fester Bestandteil unserer Gemeinschaft und ein verlässlicher Partner im Katastrophenschutz, besonders wenn die Werra Hochwasser führt. Diese Arbeit vor Ort respektiere und schätze ich ausdrücklich.
Mein politischer Kompass bleibt dennoch unverrückbar. Natürlich wünschte ich mir eine Welt frei von Waffen, Krisen und Kriegen. Deshalb wende ich mich entschieden gegen Krieg, Aufrüstung und die zunehmende gesellschaftliche Militarisierung. Den Wehrdienst lehne ich als Vorstufe zur Wehrpflicht ebenso ab wie Auslandseinsätze und Rüstungsexporte in Krisengebiete.
Um für diese Überzeugungen einzustehen, suche ich den offenen und direkten Diskurs – ob auf Kundgebungen, bei Begegnungen mit Besuchergruppen der Bundewehr im Landtag oder im persönlichen Gespräch. Demokratie lebt vom Dialog und vom gegenseitigen Respekt, nicht von Ausgrenzung.
Genau aus diesem Grund nehme ich seit Beginn meiner damals noch kommunalpolitischen und nun auch landespolitischen Arbeit auch Einladungen des hier stationierten Bataillons an. Ich begegne den Soldatinnen und Soldaten mit Respekt.
Dabei mache ich im Dialog stets deutlich, dass sich meine Kritik nicht gegen die Menschen in Uniform richtet, sondern gegen die politischen Weichenstellungen. Ich kritisiere eine Politik, die Milliarden in die Aufrüstung lenkt, während der Sozialstaat spürbar geschwächt wird. Als friedenspolitische Sprecherin sehe ich es als meine Kernaufgabe an, über Friedenspolitik zu sprechen – mit allen und auf allen Ebenen.
Sollten Sie noch weitere Fragen haben, so können Sie mich gerne auch über meine Website: anke-wirsing.de direkt kontaktieren.
Beste Grüße
Anke Wirsing
