Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?
Psychotherapeutinnen absolvieren ein Bachelor- und Masterstudium & eine mehrjährige Weiterbildung. Ausbildung, Verantwortung & wissenschaftlicher Anspruch entsprechen in Umfang und Niveau der fachärztlichen Ausbildung. Dennoch wurde beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % zu senken.
Der Weg in diesen Beruf ist bereits heute extrem anspruchsvoll & mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Studium, Weiterbildung und strukturelle Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich viele angehende Psychotherapeutinnen verschulden müssen, bevor sie in ihren Beruf starten. Eine Honorarkürzung ist das falsche Signal.
Gleichzeitig warten Patientinnen bereits heute oft viele Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit & Frühverrentung-der Bedarf an Behandlung steigt.
Wer eine Versorgung auf Facharztniveau erwartet, muss auch strukturelle Voraussetzungen dafür schaffen.Psychotherapie ist kein Luxus.
Sehr geehrte Frau K.
vielen Dank für Ihre Frage. Als verkehrspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin ist die Gesundheitspolitik nicht mein Fachgebiet. Gerne versuche ich dennoch Ihre Frage allgemein zu beantworten. Wir Grünen setzen uns grundsätzlich für eine bessere Versorgung im Gesundheitswesen ein, wozu auch die angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen gehört.
1. Reform der Bedarfsplanung
Wir wollen mehr Kassensitze für Psychotherapeut:innen schaffen, damit die hohe Nachfrage besser abgedeckt wird. Eine bessere Versorgung kann indirekt auch die Vergütung stabilisieren, weil Überlastung reduziert wird.
2. Stärkung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
Die Grünen sprechen sich für eine solidarische Bürgerversicherung aus. Ziel ist ein einheitlicheres und gerechteres Vergütungssystem, das auch psychotherapeutische Leistungen angemessen berücksichtigt.
3. Anpassung der Vergütungssysteme
Wir fordern eine Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), um psychotherapeutische Leistungen besser abzubilden – insbesondere zeitintensive Gesprächstherapien, die oft als unterbewertet gelten.
4. Entlastung durch Bürokratieabbau
Zudem würde weniger Verwaltungsaufwand dazu führen, dass Therapeut:innen mehr Zeit für Patient:innen haben – was ebenfalls wirtschaftlich relevant ist.
5. Fokus auf Prävention und frühzeitige Behandlung
Durch frühere Interventionen sollen chronische Verläufe verhindert werden. Das stärkt langfristig auch die Rolle und Finanzierung der Psychotherapie.
Für eine konkretere Positionierung muss ich leider an meine Kolleg*innen im Bundestag um im Bereich der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik verweisen.
Herzliche Grüße,
Antje Kapek
