Warum ist die Versorgung durch Psychotherapie so schlecht bzw. wird noch gekürzt?
Lieber Carsten,
Ich dutze dich jetzt einfach, da wir 1987 bei den "Ursels" gemeinsam Abi gemacht haben.
Nun mein Anliegen/Frage:
Ich finde es äußerst unangebracht, die Vergütungen der Psychotherapeuten zu kürzen. Das bedeutet doch, dass die Privatversicherten noch bevorzugter einen Therapieplatz bekommen.
Ich spreche hier aus Patientensicht. Ich war 2018 14 Wochen stationär in der Psychiatrie und hätte im Anschluss dringend einen Therapieplatz benötigt - Leider erst nach 8 Monaten, obwohl mir jeder Therapeut bescheinigt hat, dass es dringend erforderlich war. "Nur leider habe ich keinen Platz für Sie". Ich war auf 8 Wartelisten, doch leider habe ich erst sehr viel später einen Platz bekommen.
Auch die theoretische Option, dann bei einem Privattherapeuten unterzukommen ist von der Krankenkasse abgelehnt worden.
Ich hätte viel früher wieder arbeiten gehen können und hätte der KK viel Krankengeld gespart.
Ist irgendwie verdreht, oder?
VG aus W.
Anke K.
Sehr geehrte Frau K., liebe A.,
vielen Dank für Deine Nachricht.
Vorweg: Großen Respekt für den Weg, den Du gehen musstest.
Die psychotherapeutische Versorgung ist wahnsinnig wichtig für viele Menschen in unserer Gesellschaft. Gleichwohl muss ich darauf hinweisen, dass wir als Politiker zwar die Fehlsteuerungen der gesetzlichen Krankenkassen hinterfragen können, aber nicht direkt über die von Dir kritisierte Kürzung der Vergütungen verhandelt haben. Vielmehr handelt es sich um eigenständige Verhandlungen zwischen den Selbstverwaltungspartnern – insbesondere der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband – im sogenannten Bewertungsausschuss. Dieses Verfahren ist im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) gesetzlich geregelt. In seiner Sitzung am 11. März 2026 hat der Erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken. Ich kann nachvollziehen, dass diese Entscheidung für viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine belastende Entwicklung darstellt. Zugleich bitte ich um Verständnis dafür, dass die Politik die Entscheidung der gesetzlich beauftragten gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen respektiert.
Geld ist immer ein wichtiger Faktor, aber ich bin mir sicher, dass er nicht der Einzige ist. Die Versorgungsherausforderungen würden sich nur mit Geld nicht lösen lassen. Wir brauchen noch andere Maßnahmen, wie beispielsweise die Reduktion von Bürokratie. Es bleibt daher ein zentrales Anliegen der meiner Fraktion, eine qualitativ hochwertige und am Bedarf orientierte psychotherapeutische Versorgung sicherzustellen. Daran werden die zuständigen Kollegen im Gesundheitsausschuss in nächster Zeit arbeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Carsten Brodesser
