Wie begegnen Sie dem Risiko einer KI-bedingten Arbeitslosenwelle? Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits beschlossen oder geplant, ab wann greifen sie,wie sieht Ihre langfristige KI-Strategie aus.
Der zunehmende Einsatz von KI wird laut zahlreichen Studien in den kommenden Jahren erhebliche Rationalisierungseffekte haben. Betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern zunehmend auch Verwaltung, IT, Planung und wissensbasierte Berufe.
Vor diesem Hintergrund interessiert mich: – Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?
– Welche konkreten politischen Maßnahmen existieren bereits (z. B. Weiterbildung, Umschulung, soziale Absicherung, neue Arbeitsmodelle)?
– Falls sich Maßnahmen noch in Planung befinden: Ab wann ist mit umsetzungsreifen Programmen oder Gesetzesinitiativen zu rechnen?
– Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?
Ich bitte um eine konkrete und möglichst faktenbasierte Antwort.
Sehr geehrter Herr B.,
anbei die Antworten auf Ihre Fragen. Ich kann Ihnen diese im Detail am besten für Baden-Württemberg beantworten. Bei weiteren Fragen für die Bundesebene ist es ratsam, einen Abgeordneten einer im Deutschen Bundestag vertretenen Partei zu konsultieren. Im Wahlkreis Karlsruhe-Land wäre das z.B. der direkt gewählte Kollege Nicolas Zippelius MdB (CDU).
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Christian Jung
– Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?
Antwort: Die FDP in Baden-Württemberg und ich sehen Künstliche Intelligenz primär als Chance und nicht als Auslöser einer breiten, strukturellen Arbeitsplatzvernichtung in den nächsten fünf bis zehn Jahren an. Wir warnen aber vor Wettbewerbsverlust und Jobabbau, falls der KI-Einsatz überreguliert wird.
Eine explizite, quantifizierte Risikoeinschätzung speziell zu strukturellen Arbeitsplatzverlusten durch KI liegt von der Landesregierung von Baden-Württemberg nicht vor. Erwartet wird von uns als Freien Demokraten aber durchaus ein tiefgreifender Strukturwandel mit Verschiebungen und Qualifizierungsdruck als eine KI‑getriebene „Arbeitslosenwelle“ im Sinne flächendeckender, netto negativer Beschäftigungseffekte.
In der Drucksache Landtag Baden-Württemberg 17/9650 vom November 2025 bewertet zudem das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus den Einsatz generativer KI als strukturverändernd, aber nicht grundsätzlich beschäftigungsgefährdend. Es werden keine Zahlen zu erwarteten Jobverlusten genannt; stattdessen wird auf Umgestaltungen von Berufsprofilen, Verlagerung von Tätigkeiten und gesteigerten Weiterbildungsbedarf hingewiesen. Für hochqualifizierte Bereiche wie Softwareentwicklung oder Rechtsberatung hält die Regierung signifikante Abbaurisiken derzeit für gering, da KI vor allem unterstützende Rollen übernimmt.
– Welche konkreten politischen Maßnahmen existieren bereits (z. B. Weiterbildung, Umschulung, soziale Absicherung, neue Arbeitsmodelle)?
Antwort: Laut Landesregierung Baden-Württemberg und dem Landtag von Baden-Württemberg gibt es im Südwesten mehrere konkrete politische Maßnahmen, die den verstärkten KI-Einsatz adressieren, insbesondere durch Förderung von Weiterbildung und Qualifizierung. Diese zielen auf die Bewältigung des Fachkräftemangels und die Anpassung an den digitalen Wandel ab.
Weiterbildung und Umschulung: Die Weiterbildungsoffensive WEITER.mit.BILDUNG@BW bietet eine zentrale Plattform wie südwissen.de sowie Weiterbildungslotsen, die Unternehmensbedarf mit Hochschulangeboten verknüpfen, inklusive KI-spezifischer Kurse zu digitalen Geschäftmodellen und Future Skills wie kritischem Denken. Zusätzlich fördert das Land Projekte wie die Digital Business School an der HfWU und ESF-Fachkurse für KI-bezogene Schulungen, um Beschäftigte für automatisierte Prozesse zu qualifizieren. Die GenAI-Bildungsoffensive mit Microsoft richtet sich an KMU, um KI-Kompetenzen breiter zu verbreiten.
Soziale Absicherung und Fachkräftesicherung: Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus unterstützt KI-Anwendungen zur Fachkräftesicherung, etwa durch Projekte der KI-Allianz BW, die Rekrutierung, Personalentwicklung und Wissensmanagement optimieren und demografische Herausforderungen abfedern. Im Gesundheitswesen fließen über fünf Millionen Euro in digitale Kompetenzen via DigitalHealth-Bus und bwHealthCloud. Die Landesregierung betont Resilienz durch Weiterbildung, um Arbeitsplatzverluste zu vermeiden.
Neue Arbeitsmodelle und Gleichstellung: Maßnahmen umfassen Analysen zu KI-bedingter Diskriminierung im Recruiting sowie Strategien gegen digitale Gewalt und Förderung von Frauen in MINT- und KI-Bereichen. Der Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) in Heilbronn integriert Wirtschaft und Gesellschaft für KI-gestützte Arbeitsprozesse.
– Falls sich Maßnahmen noch in Planung befinden: Ab wann ist mit umsetzungsreifen Programmen oder Gesetzesinitiativen zu rechnen?
Antwort: Es ist davon auszugehen, dass nach der Landtagwahl 2026 das Thema KI sofort in den Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen weiter intensiv beraten wird und es ab Herbst 2026 in Baden-Württemberg zu umsetzungsreifen Programmen und/oder Gesetzesinitiativen kommt. Je nach Zusammensetzung der nächsten Landesregierung wird es zum Thema KI verschiedene Schwerpunktsetzungen geben.
– Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?
Antwort: Die Freien Demokraten auf Bundes- und Landesebene und ich persönlich verstehen in Bezug auf ein langfristiges Zielbild zur KI, das diese als Treiber für Innovation und Wohlstand fungiert, während Erwerbsarbeit durch Aktivierung und Qualifizierung gestärkt wird, um soziale Teilhabe zu sichern. Konkret: Die FDP definiert soziale Teilhabe im Kontext von KI primär als aktive Einbindung in Bildung, Arbeit und Innovation, um digitale Spaltungen zu vermeiden und Chancengleichheit zu sichern.
