Wie kommen Sie darauf, dass Menschen ohne Arbeit genauso viel Geld bekommen könnten wie jemand, der arbeitet?
Sehr geehrter Her Jung, bei einer Podiumsdiskussion in Bretten [1] haben Sie von Beispielen gesprochen, "die es tatsächlich gibt, dass man am Ende vielleicht sogar genauso viel hat, wenn man nicht arbeitet." Können Sie mir so einen Fall bitte vorrechnen? Alle Beispiele, die ich kenne, funktionieren nur, wenn man Leistungen ignoriert, auf die auch Arbeitnehmer Anspruch haben.
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat drei verschiedene Konstellationen (Alleinstehende, Alleinerziehende und Paare mit Kindern) für alle Landkreise Deutschlands durchgerechnet und keinen einzigen Fall gefunden, in dem Ihre Behauptung stimmen würde. Wer Vollzeit arbeitet, hatte selbst bei Mindestlohn mind. 379 € mehr, teils sogar doppelt so viel. [2]
[1] https://www.facebook.com/reel/721501140899043/
[2] https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009197
Sehr geehrter Herr W.,
die Böckler-Stiftung betont in ihrer Studie ebenfalls, dass die genaue Höhe stark von der Miete und Familienkonstellation abhängt. In teuren Städten und Regionen wie in der Region Karlsruhe in Baden-Württemberg ist der Abstand auch wegen den weiteren gestiegenen Lebenshaltungskosten deutlich niedriger. Bei der Veranstaltung rechneten Schüler an eigenen und recherchierten Beispielen vor, dass das Lohnabstandsgebot nicht groß ist. Ich kann das aus der Praxis und meinen Bürgersprechstunden ebenfalls bestätigen. Für weitere Rechenbeispiele auch zu den Lebenshaltungskosten in Baden-Württemberg können Sie sich direkt an das Statistische Landesamt Baden-Württemberg wenden.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Jung
