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Kürzung Honorare für PsychotherapeutInnen: Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?

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Frage von Susanne I. •

Kürzung Honorare für PsychotherapeutInnen: Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?

Sehr geehrte Frau Becker,ich bin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit einem vollen Versorgungssitz in Gießen. Am 12.03. wurde auf Betreiben des GKV-SV beschlossen das Honorar für PsychotherapeutInnen um 4,5% zu kürzen ab Quartal 2/2026. Ich empfinde die Kürzung wie ein Schlag ins Gesicht und erlebe erneut wenig Wertschätzung von der Politik und den Krankenkassen. Zudem verschlechtert sich dadurch die Versorgung der psychisch erkrankten Menschen. Ich möchte Sie gerne noch darauf hinweisen, dass wir als PsychotherapeutInnen sehr viel leisten und wir deutlich weniger verdienen als unsere fachärztlichen und hausärztlichen KollegInnen in der Regel aber sehr hohe Kosten haben und wir vor allem unsere langwierige Ausbildung selbst bezahlt und dabei von Kliniken ausgebeutet wurden. Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?Mit freundlichen Grüßen S. I. .(Dipl-Psych.)

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrte Frau I.,

Der Bedarf an Psychotherapie ist in den letzten Jahren in Deutschland gestiegen. Verständlich vor dem Hintergrund von diversen Krisen, Kriegen aber auch immer stärkerer Belastungen in der Arbeitswelt oder im Bildungsweg. Die gesetzlichen Krankenkassen sparen nun auf dem Rücken von Menschen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen. Laut OECD hat sich der Anteil an Menschen in Deutschland mit unbehandelten psychischen Problemen seit 2021 von vier auf zehn Prozent mehr als verdoppelt. 

Die Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5% ab April 2026 bedeutet eine kritische Verschlechterung der Versorgung der Patient*innen. Dadurch werden Anreize für Psychotherapeut*innen geschaffen, in Zukunft ihre freien Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler*innen zu geben. Diese Schritte hin zu mehr Zwei-Klassen-Medizin sind schlecht für alle, die es sich nicht leisten können, Therapiestunden einfach aus eigener Tasche zu bezahlen. Bereits jetzt warten Menschen in Zeiten, in denen es ihnen psychisch schlecht geht, monatelang auf einen ambulanten Therapieplatz – sofern sie überhaupt einen finden. Auch in Gießen wird mir des Öfteren darüber berichtet, wie lange es dauert einen geeigneten Therapieplatz zu finden. Allgemein sollte überdacht werden, wie die ohnehin schwierige Versorgungssituation durch strukturelle Maßnahmen verbessert werden kann. Honorarabsenkungen sind hierbei definitiv ein falscher Schritt.

Die Linke fordert eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut*innen. All das mit dem Ziel, das diejenigen die Termine bekommen, die sie am dringendsten brauchen, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.

Gerne können wir uns hierzu in Gießen auch zusammensetzen. Ich stehe an Ihrer Seite und an der Seite der Menschen, die dringend einen Therapieplatz benötigen. 


 

 

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