Wie beurteilen Sie die geplante Hochrüstung der Juraleitung von 220.000 auf 380.000 Volt?
Werden Sie für eine Änderung des Bundesbedarfsplans und weniger Höchstspannungsleitungen eintreten, damit die Netzentgelte nicht so hoch steigen?
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Ich beurteile die geplante Hochrüstung der Juraleitung von 220.000 auf 380.000 Volt sehr kritisch. Die Linke steht hier klar an der Seite der Menschen vor Ort, die sich gegen diese Trasse wehren.
Wir brauchen eine echte Energiewende – aber nicht in Form immer größerer Stromautobahnen, die auf Kosten von Mensch, Natur und Landschaft durchgesetzt werden. Stattdessen brauchen wir eine dezentrale, demokratische Energiewende in Bürger:innenhand: mit erneuerbaren Energien vor Ort, kommunalen Stadtwerken, Energiegenossenschaften, Speichern, intelligenten Verteilnetzen und echter Beteiligung der Bevölkerung.
Große Übertragungsleitungen wie die Juraleitung dienen aus meiner Sicht nicht automatisch einer sozialen und ökologischen Energiewende. Sie stärken vor allem zentralisierte Strukturen und große Energiekonzerne. Zudem können solche Stromtrassen perspektivisch auch dazu genutzt werden, Strom aus anderen Ländern zu importieren – darunter auch Atomstrom. Das widerspricht unserem Ziel einer sicheren, demokratischen und konsequent erneuerbaren Energieversorgung.
Besonders problematisch ist, dass die Belastungen vor Ort bleiben: Eingriffe in Natur und Landschaft, Sorgen um Gesundheit und Wohnumfeld, Wertverluste, Baufolgen und die dauerhafte Beeinträchtigung ganzer Regionen. Die Gewinne und die energiepolitische Steuerung liegen dagegen häufig nicht bei den betroffenen Bürger:innen.
Für mich ist deshalb klar: Die Energiewende darf nicht gegen die Menschen gemacht werden, sondern nur mit ihnen. Sie muss dezentral, sozial gerecht, ökologisch verantwortbar und demokratisch kontrolliert organisiert werden. Die geplante Hochrüstung der Juraleitung erfüllt diese Anforderungen aus meiner Sicht nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Evelyn Schötz, Mitglied des Deutschen Bundestages Die Linke
