Wie begegnen Sie dem Risiko einer KI-bedingten Arbeitslosenwelle? Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits beschlossen oder geplant, ab wann greifen sie,wie sieht Ihre langfristige KI-Strategie aus.
Der zunehmende Einsatz von KI wird laut zahlreichen Studien in den kommenden Jahren erhebliche Rationalisierungseffekte haben. Betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern zunehmend auch Verwaltung, IT, Planung und wissensbasierte Berufe.
Vor diesem Hintergrund interessiert mich: – Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?
– Welche konkreten politischen Maßnahmen existieren bereits (z. B. Weiterbildung, Umschulung, soziale Absicherung, neue Arbeitsmodelle)?
– Falls sich Maßnahmen noch in Planung befinden: Ab wann ist mit umsetzungsreifen Programmen oder Gesetzesinitiativen zu rechnen?
– Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?
Ich bitte um eine konkrete und möglichst faktenbasierte Antwort.
Sehr geehrter Herr B.,
Um einer Arbeitslosen-Welle durch KI zu begegnen, ist es erforderlich, Rationalisierungsgewinne teilweise abzuschöpfen (etwa über Steuern auf Extra-Profite großer Tech-Konzerne) und in öffentliche Bereiche zu reinvestieren, die gesellschaftlichen Nutzen stiften (etwa Pflege, Kinderbetreuung, Qualifizierung und Infrastruktur) und neue Arbeit schaffen.
Zudem sollte mittels gesetzlicher Maßnahmen eine hohe Tarifbindung unterstützt werden, um Produktivitätsgewinne in Lohnsteigerungen und ggf. auch kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnverzicht zu überführen. Dies ist erforderlich, um eine hinreichende Nachfrage für die zusätzliche Produktion bzw. Effizienzgewinne zu gewährleisten und hinreichende Beschäftigung zu sichern. Es ist darüber hinaus anzustreben, die sozialen Sicherungssysteme dadurch „wetterfest“ zu machen, dass alle einzahlen.
Eine grundsätzliche Aufgabe besteht darin, dass die Marktmacht großer Konzerne eingehegt wird, die auch zu politischer und regulatorischer Macht führt und den Wettbewerb untergräbt. Hierzu verweise ich auf die Ausführungen des Ökonomen Joseph Stiglitz
Das BSW plädiert im Kontext der Nutzung von KI am Arbeitsplatz für die Achtung der demokratischen Gewerkschaftsrechte auf Tarifverhandlungen und sozialen Dialog. Dies erfordert etwa den Schutz vor einer unkontrollierten Nutzung von Algorithmen bei Beschäftigungsentscheidungen und der Überwachung der Beschäftigten.
Daher sollten Beschäftigte und ihre Gewerkschaften in Entscheidungen darüber, wie KI am Arbeitsplatz eingeführt und genutzt wird, einbezogen werden. Es sollte etwa gesetzlich klargestellt werden, dass KI nicht dazu dienen darf, grundlegende Rechte wie die Vereinigungsfreiheit und das Koalitionsrecht zu untergraben.
Entscheidungen, die auf Grundlage von Algorithmen am Arbeitsplatz getroffen werden, dürfen kein Ersatz für die Aufsicht durch Menschen sein, insbesondere in Bereichen, die Beschäftigung, Löhne und Arbeitsbedingungen betreffen.
Auf internationaler Ebene braucht es ein verbindliches Übereinkommen der ILO (der Internationalen Arbeitsorganisation mit Sitz in Genf) zu menschenwürdiger Arbeit in der Plattformökonomie.
Mit freundlichen Grüßen
Fabio De Masi
P.S. Mehr Informationen zu meiner Arbeit im EU-Parlament finden Sie in meinem Newsletter:
https://www.fabio-de-masi.de/de/topic/3.newsletter.html
und auf meinem You-Tube-Kanal:
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