Mit welcher Begründung haben Sie für das Rentenpaket gestimmt? Wie oft kann sich die Regierung noch mit solch teuren Kompromissen retten?
Sehr geehrter Herr Schreiner,
heute haben Sie für das Rentenpaket gestimmt. Laut Ihrer Aussage auf Facebook ist Ihnen dass nicht leicht gefallen - was ich Ihnen sogar glaube, gut nachvollziehen kann und worum ich Sie der Verantwortung wegen nicht beneide.
Die inhaltlich einzige Begründung welche ich Ihren Ausführungen entnehmen konnte war die Aussage "Die Koalition trägt die Verantwortung, unser Land in der politischen Mitte zu führen". Diese Aussage teile ich ebenfalls.
Allerdings stellt sich mir die Frage, wie oft kann sich diese Regierung noch mit Entscheidungen welche dreistellige Milliardenbeträge kosten - eine Zahl mit 11!! Nullen - über Wasser halten?
Ich habe jedenfalls große Sorgen dass solche eine Führung aus der Mitte und auf diese Art und Weise langfristig genau das Gegenteil bewirkt.
Daher abschließend nochmals die konkrete Nachfrage. Gab es weitere Gründe als den Koalitionsfrieden, welche Sie zu Ihrer Entscheidung bewogen haben?
Vielen Dank für Ihre Nachricht!
Die Entscheidung über das Rentenpaket ist mir nicht leichtgefallen. Die Debatte der vergangenen Wochen hat gezeigt, wie wichtig intensive und auch kontroverse Auseinandersetzungen im Parlament sind. Zur Demokratie gehören solche Debatten – sie erhöhen die Transparenz und stärken die Qualität unserer Entscheidungen.
Die Junge Gruppe hat berechtigte Anliegen und gute Argumente eingebracht und erinnert zu Recht daran, dass eine Reform der Rentenversicherung immer auch eine Frage der Generationengerechtigkeit ist.
Gleichzeitig müssen wir berücksichtigen, dass in den 2030er-Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen werden. Darauf muss unser System vorbereitet sein. Das vorliegende Paket stabilisiert wichtige Elemente, löst jedoch nicht alle strukturellen Herausforderungen. Es bringt auch wichtige Neuerungen, etwa die Aktivrente: Wer nach Erreichen des Rentenalters freiwillig weiterarbeitet, soll künftig mehr Netto vom Brutto erhalten. Das ist ein erster Schritt hin zu mehr Flexibilität.
Für mich war die entscheidende Frage bei der Abwägung: Sollten wir bei einem Scheitern dieses Vorhabens jemals größere Reformen umsetzen können? Wer Veränderung will, muss erste Schritte ermöglichen.
Bei dieser Abstimmung stand das übergeordnete Interesse im Vordergrund: Die Koalition trägt die Verantwortung, unser Land in der politischen Mitte zu führen. Die Ereignisse in Gießen vom vergangenen Wochenende zeigen, wie radikal linke und rechte Gruppierungen in Deutschland agieren. Umso wichtiger ist jetzt, dass die Rentenkommission zu konkreten Ergebnissen kommt und fundierte Entscheidungen vorbereitet, die unser Rentensystem generationengerecht und dauerhaft finanzierbar machen. Die Kommission darf kein bloßer Gesprächskreis sein, sondern muss handfeste Vorschläge liefern.
Meine Zustimmung erfolgt daher in dem Bewusstsein: Dies ist nur der Anfang. Wir brauchen Mut zu weiteren, auch tiefgreifenden Reformen – im Interesse der heutigen und zukünftigen Generationen.
