Auf welchen RCTs oder systematischen Vergleichen beruht die Aussage der Bundesregierung, Cannabisblüten seien gegenüber anderen cannabishaltigen Arzneimitteln evidenzschwächer?

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Frage von Daniela J. •

Auf welchen RCTs oder systematischen Vergleichen beruht die Aussage der Bundesregierung, Cannabisblüten seien gegenüber anderen cannabishaltigen Arzneimitteln evidenzschwächer?

Sehr geehrter Herr Dr. Kippels,

in Ihrer Antwort vom 13.08.2026 auf die Schriftliche Frage 103 von Ateş Gürpinar (BT-Drs. 21/7573) begründet die Bundesregierung den Blütenausschluss u. a. mit „unzureichender Evidenz hinsichtlich der Wirksamkeit von Cannabisblüten gegenüber anderen cannabishaltigen Arzneimitteln in Form von randomisiert kontrollierten Studien“.

Zu inhalierter Cannabisblüte liegen jedoch mehrere RCTs vor; Andreae et al. 2015 fassten etwa fünf randomisierte Studien bei chronischen neuropathischen Schmerzen zusammen (DOI: 10.1016/j.jpain.2015.07.009).

Welche konkreten anderen Cannabisarzneimittel und Indikationen bildeten den Vergleichsmaßstab? Wurden direkte randomisierte Vergleichsstudien herangezogen oder getrennte Evidenzkörper miteinander verglichen? Falls keine direkten Vergleichsstudien vorliegen: Auf welcher Grundlage wird daraus ein genereller Evidenznachteil der Cannabisblüten abgeleitet?

Mit freundlichen Grüßen
Daniela J.

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Sehr geehrte Frau J.

grundsätzlich ist festzuhalten, dass bislang keine ausreichende Evidenz dafür vorliegt, dass nicht zugelassene Cannabisblüten gegenüber anderen cannabishaltigen Arzneimitteln einen besonderen therapeutischen Vorteil bieten. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in seinem Beschluss vom 16. März 2023 die verfügbare Studienlage bewertet. Daraus konnten keine Indikationen abgeleitet werden, bei denen die Anwendung von Cannabisblüten der Anwendung von anderen Cannabisarzneimitteln überlegen ist. 

Im Gegensatz zu nicht zugelassenen cannabishaltigen Arzneimitteln haben zugelassene Fertigarzneimittel unter Durchführung einer klinischen Prüfung in einem Zulassungsverfahren ihre pharmazeutische Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen. Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfiehlt aufgrund der besseren Standardisierung, Fertig- oder Rezepturarzneimittel gegenüber Blüten und Extrakten zu bevorzugen. Bei Cannabisblüten können Wirkstoffgehalte stärker schwanken; darüber hinaus bestehen insbesondere bei längerfristiger Anwendung höhere Risiken hinsichtlich Missbrauchs und Abhängigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Georg Kippels

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