Wie rekrutiert die AfD Experten?
Sehr geehrter Herr Frömming,
die SPD ist ja bekanntlich deshalb so geschrumpft, weil sie weiß, was gut für die "Menschen" ist. Die reale Anbindung an den konkreten Bürger und seine Sorgen kommt in der Politik viel zu kurz. Mich interessiert, ob Sie das unaufgeforderte, direkte Gespräch mit Akademikern suchen? Handeln Sie mehr aus einer ideellen Überzeugung heraus oder interessiert Sie deren tatsächliche Lebens- und Arbeitsrealität?
Meiner Meinung krankt die Bildungspolitik nicht allein an ideologischen Vorgaben, sondern blanker Unkenntnis der Vorgänge vor Ort. Bildungsminister, die mal kurz das Lehramt studiert haben und dann in die Politik gegangen sind, Erziehungswissenschaftlerinnen, die über Universitäten entscheiden und Promovierte, die unter dem Label Wissenschaftler firmieren, ohne je weiter publiziert zu haben, entscheiden über unser Bildungswesen. Meine Frage: Wie rekrutiert die AfD echte, praxiserfahrene Experten? Mit bestem Gruß J.H.
Sehr geehrter Herr H.,
als vormaliger Lehrer an mehreren deutschen Gymnasien mit 20-jähriger Berufserfahrung und als Bundestagsabgeordneter seit 2017 mit Schwerpunkt Bildungspolitik, glaube ich die Probleme des Bildungssystems und die politischen Möglichkeiten zu seiner Verbesserung gut verstanden zu haben. Ich sehe dabei sehr wohl politische, ideologischen Prämissen folgenden Entscheidungen, die zu Problemen in den Schulen geführt haben. Hinzu kommen wachsende Veränderungen in der Zusammensetzung der Schülerschaft, die Konsequenz weiterer - ebenfalls ideologisch geprägter Entscheidungen - sind.
Das von Ihnen angesprochene Problem mangelnder Erfahrung des politischen Personals, betrifft leider nicht nur die Bildungspolitik; vielmehr handelt es sich inzwischen um ein allgemeines Phänomen, dem die AfD bereits in der Phase der Kandidatenaufstellung dadurch Rechnung trägt, dass Kandidaten mindestens fünf Jahre in einem Beruf außerhalb der Politik oder der Partei tätig gewesen sein sollen.
„Rekrutierung“ ist dabei vielleicht nicht der geeignetste Begriff. Jeder ist aufgefordert sich mit seiner Expertise zu beteiligen, aber nicht jeder ist - aus ganz unterschiedlichen Gründen – dafür zu gewinnen. So erleben wir immer wieder, dass es unserer Fraktion bei Expertenbefragungen in den Ausschüssen des Deutschen Bundestages Schwierigkeiten bereitet, jemanden zu finden, der von uns benannt werden will.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Frömming
