Werden die Bau- und Betriebskosten des Pfaffensteigtunnel, mit einem unwirtschaftlichen NKV von 0,23 und 2 Mrd. EUR Baukosten die Ticketpreise erhöhen oder sind positive Auswirkungen zu erwarten?
Der Pfaffensteigtunnel, eines der teuersten Infrastrukturprojekte mit 2 Mrd. EUR, und enem extrem unwirtschaftlich NKV von maximal 0,23 soll gebaut werden. Er wäre der längste Eisenbahntunnel Deutschlands mit 11 km Länge.
Wie sollen mit solchen Projekten ein konkurrenzfähiger Ticketpreis erzielt werden?
Hat BW nicht aus dem Stuttgart21 Desaster gelernt?
Hat der Pfaffensteigtunnel vielleicht eine zusätzliche militärische oder Zivilschutzfunktion?
Als Umweltschutzpartei sollte Ihnen doch eine wirtschaftliche und ressourcenschonende Bahn am Herzen liegen.
Sehr geehrter Herr R.,
vielen Dank für Ihre Frage und dass Sie sich damit an mich wenden.
Wichtig zu betonen ist: Die Idee für den Pfaffensteigtunnel stammt nicht von den Grünen, sondern geht auf Vorschläge aus dem Bundesverkehrsministerium zurück, konkret wurde der Tunnel von Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) 2020 angeregt. Für dieses ergänzende Projekt sind im Bundeshaushalt rund 1,69 Milliarden Euro vorgesehen. Wie auch Sie weisen Kritiker darauf hin, dass die Kosten deutlich höher liegen könnten und die Nutzen-Kosten-Rechnung des Tunnels äußerst fragwürdig ist.
Stuttgart 21 ist keineswegs „das bestgeplante Projekt aller Zeiten“, wie manche Befürworter es gerne behaupten. Es bleibt eine weitgehend fehlplanerische Großbaustelle mit wachsender Kosten- und Terminproblematik. Dabei sind viele zusätzliche Bausteine wie der sogenannte Pfaffensteigtunnel erst im Laufe des Projekts hinzugekommen – nicht zuletzt, weil die ursprünglichen Planungen nicht ausreichten, um die erforderlichen betrieblichen Verbindungen zu gewährleisten. Es sollte nicht vergessen werden, welche Partei von Beginn an dieses Projekt kritisiert hat.
Dass das Projekt im Bundesverkehrswegeplan und im Haushalt geführt wird, ist eine Entscheidung des Bundesgesetzgebers – nicht ein „Grünes Projekt“ und auch nicht eine Planung, die je von den Grünen in Baden-Württemberg initiiert wurde.
Als einzige Partei im Landtag, die eine Mobilitätswende aktiv vorantreibt, verfolgen wir deshalb eine Politik, die nicht in teure Einzeltunnel investiert, sondern die Schieneninfrastruktur insgesamt stärkt und Engpässe sinnvoll beseitigt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Gäubahn ohne Unterbrechung und ohne jahrelange Umsteigezwänge am Hauptbahnhof ankommt – und zwar so, dass sie ein verlässlicher, attraktiver Teil des bundesweiten Schienenverkehrs bleibt.
Im Wahlprogramm heißt es:
„Die oberirdische Gleisanlage muss so lange betriebsbereit gehalten werden, bis sich der Betrieb im neuen Tiefbahnhof bewährt hat. Dabei ist eine umsteigefreie Anbindung der Gäubahn-Reisenden an den Stuttgarter Hauptbahnhof zu gewährleisten.“ (Seite 51)
Auch unser bahnpolitischer Sprecher auf Bundesebene, Matthias Gastel MdB, hat die Kosten-Nutzen-Relation des Pfaffensteigtunnels kritisch hinterfragt und betont, dass diese Mittel an anderer Stelle – etwa beim wirklichen Ausbau der Bahnlinien und der Engpassbeseitigung in Baden-Württemberg – sinnvoller eingesetzt wären.
Für die Bürger*innen entlang der Gäubahn bleibt mein zentrales Anliegen: eine unterbrechungsfreie, verlässliche und leistungsfähige Verbindung zum Stuttgarter Hauptbahnhof gewährleisten.
Mit freundlichen Grüßen
Gudula Achterberg
