Fachkräftemangel durch Geflüchtete beheben?
Sehr geehrter Herr Demir! Frau Bas ist ja leider nicht erreichbar für Bürger, daher wende ich mich an Sie. Es herrscht im Netz Aufregung weil Frau Bas behauptet hat, es würde niemand in die Sozialsysteme einwandern. Und dann fortgefahren ist: "Wir haben einen Fachkräftemangel in diesem Land." Ich war das letzte Mal in Ihrem Büro wegen zwei Afghanen. Hatte mir eingebildet, weil sie schon B1 haben, könnte ihr Büro jetzt mir sagen, wie ich es hinbekomme dass diese zwei jeder in ein Einzelzimmer kommen. War dann nicht möglich. Und das ist keinesfalls der einzige Grund warum es so schwer ist, dass aus Flüchtlingen Fachkräfte werden. Die afghanische Familie, mit der ich in Kontakt bin, war in Afghanistan Bildungselite, daher haben wir Chancen, dass die beiden Ausbildungen machen. Wären Sie bereit, zur Rettung der SPD, öffentlich die Wahrheit anzusprechen? Also wie viel Prozent der Geflüchteten eine qualifizierte Ausbildung abschließen?
Herzlichen Gruß
Nina B.
Sehr geehrte Frau B.,
herzlichen Dank für Ihre Zuschrift und für Ihren Einsatz für die geflüchteten Personen aus Afghanistan.
Zur Qualifikation einige zentrale Informationen:
- In Bezug auf die Qualifikationen, die Geflüchtete bereits bei Ankunft in Deutschland haben, ist die Situation sehr gemischt. Bei den zentralen Herkunftsländern, zu denen auch Afghanistan gehört, liegen die Raten der Höherqualifizierten (Menschen mit Studium oder Berufsausbildung) um die 40 %: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Kurzanalysen/kurzanalyse1_qualifikationsstruktur_asylberechtigte.pdf?__blob=publicationFile&v=12
- Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Qualifikation in Deutschland besonders wichtig ist, da der persönliche Anspruch der Geflüchteten und der gesellschaftliche Anspruch sich ja nicht darin erschöpft, die Menschen zu versorgen oder im unqualifizierten Bereich zu beschäftigen, sondern dauerhaft den Zugang zu qualifizierter und guter Arbeit sicherzustellen.
- Deshalb ist die Förderung von Berufsausbildungen von Geflüchteten in Deutschland umso wichtiger. Seit 2019 beginnen jährlich um die 50.000 Menschen aus den Hauptherkunftsländern eine Berufsausbildung: https://mediendienst-integration.de/arbeitsmarkt/fluechtlinge-am-arbeitsmarkt/wie-viele-fluechtlinge-machen-eine-ausbildung/
- Dies ist an sich eine gute Entwicklung. Problematisch bleibt die überdurchschnittliche Abbruchquote (40 % bei Geflüchteten gegenüber 28 % bei Deutschen) sowie die geringe Ausbildungszahl bei Frauen. Hier braucht es mehr Ausbildungsbegleitung bei Sprachqualifikationen, Beratung und Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Hakan Demir
