Sehr geehrter Herr Demir, wie werden Sie sich zur Änderung des Informationsfreiheitsgesetz positionieren?
Sehr geehrter Herr Demir
mit großer Sorge höre ich von den Plänen des Koalitionsausschusses, das Informationsfreiheitsgesetz de facto abzuschaffen. Aktuell ermöglicht das IFG allen Menschen, Einblick in staatliche Dokumente zu bekommen und damit das Handeln von Behörden und der Regierung zu kontrollieren.
Im Koalitionsvertrag haben Sie gemeinsam mit der Union beschlossen, das IFG im Sinne der Bürger*innen zu reformieren. Der jetzige Beschluss des Koalitionsausschusses ist das genaue Gegenteil: SPD und Union planen einen massiven Bruch des Koalitionsvertrags – und den größten Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte der Bundesrepublik. Die vorgeschlagenen Änderungen würden der Informationsfreiheit in Deutschland de facto ein Ende setzen.
Bitte nutzen sie ihre Stimme, um der Änderung nicht zu zustimmen und verteidigen sie die Werte der SPD. Staatliche Transparenz sollte auch im Sinne der SPD sein. Das Vertrauen in die Regierung bröckelt immer mehr. Beste Grüße Nele Erd
Sehr geehrte Frau E.,
danke für Ihre Frage.
Das Informationsfreiheitsgesetz ist eine tragende Säule, um den Bürger:innen mehr staatliche Transparenz und Vertrauen in die Politik und Verwaltung Deutschlands zu vermitteln. Seit über zwanzig Jahren haben Bürger:innen durch das Gesetz einen voraussetzungslosen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen bei Bundesbehörden. Das ist eine wichtige Errungenschaft für unsere Demokratie und gewährleistet auch, dass Bürger:innen von ihrem Grundrecht auf Informationsfreiheit effektiv Gebrauch machen können.
Der Beschluss des Koalitionsausschusses, in dem unter anderem der Nachweis eines „berechtigten Interesses“ erwähnt wird, ist noch kein Gesetz. Die konkrete Ausgestaltung wird im parlamentarischen Verfahren beraten. In diesem werden wir uns dafür einsetzen, dass weiterhin so viele Personen wie möglich von dem IFG profitieren können und der Zugang zu staatlichen Informationen nicht faktisch erschwert oder auf wenige Personengruppen begrenzt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Hakan Demir
