Wie begründen Sie die Begriffe „Normalform“, „abseitige sexuelle Vorlieben“ und „sexuelle Abweichungen“ in Ihrem Wahlprogramm gegenüber homosexuellen Menschen?
Hallo Herr Tillschneider,
In Ihrem Wahlprogramm schreiben Sie, in der Kita sei die Familie aus Mann und Frau als „Normalform des Zusammenlebens“ vorauszusetzen. Zudem ist von „sexuellen Abweichungen“ die Rede, die mehr Akzeptanz genössen als die Familie aus Mann und Frau.
Wie begründen Sie diese Einordnung, wenn Homosexualität heute weder wissenschaftlich noch medizinisch als unnatürlich/unnormal gilt? Wie ist diese Position mit Ihrem Verweis auf biologische Argumente an anderer Stelle im Wahlprogramm vereinbar?
Welche politischen Folgen sollen sich aus diesen Formulierungen für die Gleichbehandlung homosexueller Paare und Familien sowie für Bildungs-, Schutz- und Unterstützungsangebote für LGBTQ+-Menschen ergeben?
Und auf welche Daten oder Studien stützen Sie Ihre Aussage, dass solche Lebensweisen heute mehr Akzeptanz genössen als die Familie aus Mann und Frau?
Unser gesellschaftspolitisches Leitbild ist die Familie aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen. Die auf Dauer angelegte Gemeinschaft aus Mann und Frau garantiert am ehesten, dass die Kinder gedeihlich heranwachsen und sich zu stabilen Persönlichkeiten entwickeln. Das ist ein Erfahrungswert aus Jahrhunderten. Dass diese normative Normalität heute stellenweise hinterfragt wird, ist Ausdruck einer schweren gesellschaftlichen Krise. Wenn wir ein solches Leitbild vertreten, heißt das aber nicht, dass jeder ihm entsprechen muss. Wir sind zwar eine konservative, aber auch eine liberale Partei. Niemand, der nicht nach dem Leitbild lebt, der etwa Single bleibt, sich scheiden lässt oder in einer homosexuellen Partnerschaft lebt, muss sich dafür rechtfertigen. Das ist Privatsache, in die wir uns nicht einmischen. Allerdings entsorgen wir auch nicht das Leitbild, nur, weil sich einige daran stören. Eine Gesellschaft braucht Leitbilder, die es an sich haben, dass ihnen nicht alle entsprechen, sonst wären es ja keine Leitbilder, sondern einfache Zustandsbeschreibungen.
