Wie soll es in Uelzen, in Niedersachsen mit der psychotherapeutischen Versorgung weitergehen?
Sehr geehrter Herr Putzier, mit Erschrecken musste ich feststellen, dass der Bundestag und -rat tatsächlich das neue GKV-BStabG verabschiedet hat. Nun wird es für alle noch schwerer, eine gute ambulante Therapie zu finden. Wo ist da der Sinn? Ich selber bin psychisch erkrankt. Jahrelang war ich (teilweise über Monate) immer wieder stationär in der (geschlossenen) Psychiatrie. Das kostet die Krankenkassen viel Geld. Seit etwas über zwei Jahren habe ich eine ambulante Therapeutin. Durch die Therapie bei ihr, durch ihre Hilfe, durch ihre Arbeit, war ich in den letzten zwei Jahren nicht in der Akutpsychiatrie, keine einzige Nacht. Und wir arbeiten in der Therapie auch an Zielen, an der Zukunft. Der Plan war: raus aus der Berentung. Das können teure Klinikaufenthalte nicht leisten. Die sind "nur" Sicherung. Worin liegt denn der Sinn mir und vielen Anderen die Möglichkeit wieder an der Gesellschaft teilzunehmen, wieder etwas zu leisten, zu rauben? Mit freundlichen Grüßen, J. F.
Sehr geehrte Frau F.,
vielen Dank für Ihr Schreiben und dafür, dass Sie Ihre persönlichen Erfahrungen mit mir geteilt haben. Es beeindruckt mich sehr, wie offen Sie Ihren Weg schildern. Dass Sie durch die ambulante psychotherapeutische Behandlung seit über zwei Jahren keine stationären Aufenthalte mehr benötigt haben und gemeinsam mit Ihrer Therapeutin an einer Rückkehr in den Beruf arbeiten, verdeutlicht eindrucksvoll, welchen Unterschied eine gute psychotherapeutische Versorgung für das Leben eines Menschen machen kann.
Gerade Ihr Beispiel zeigt, dass Psychotherapie weit mehr ist als eine kurzfristige Krisenintervention. Sie ermöglicht Stabilität, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Sie hilft nicht nur den Betroffenen, sondern kann langfristig auch dazu beitragen, kostenintensive stationäre Behandlungen zu vermeiden. Diese Perspektive darf bei gesundheitspolitischen Entscheidungen nicht aus dem Blick geraten.
Ich kann deshalb gut nachvollziehen, dass Sie die geplanten Regelungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes mit großer Sorge betrachten. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur gesundheitlichen Grundversorgung. Schon heute warten viele Patientinnen und Patienten viel zu lange auf einen Therapieplatz. Deshalb müssen mögliche Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung besonders sorgfältig geprüft werden. Regelungen, die Therapieplätze gefährden, Wartezeiten verlängern oder die Niederlassung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erschweren könnten, sehe ich kritisch.
Als SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag halten wir eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich für notwendig. Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung ist angespannt, und dauerhaft steigende Zusatzbeiträge würden Versicherte, Familien, Rentnerinnen und Rentner sowie Arbeitgeber erheblich belasten. Das Ziel, die Beitragssätze zu stabilisieren, ist daher nachvollziehbar. Gleichzeitig darf eine solche Reform aber nicht zulasten einer funktionierenden Gesundheitsversorgung gehen. Veränderungen müssen sozial ausgewogen ausgestaltet werden und dürfen bestehende Versorgungsengpässe nicht weiter verschärfen.
Auch unabhängig vom aktuellen Gesetzgebungsverfahren setzen wir uns für eine gute psychotherapeutische Versorgung ein. Bereits im Zusammenhang mit der Honoraranpassung haben wir aus Niedersachsen heraus unsere Bedenken gegenüber der Bundesgesundheitsministerin deutlich gemacht.
Die Entscheidung über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz liegt letztlich beim Bundesgesetzgeber sowie im Zusammenwirken mit dem Bundesrat. Als Landtagsabgeordneter kann ich diese Entscheidung nicht unmittelbar beeinflussen. Ich werde Ihr Anliegen jedoch gerne an die fachlich zuständigen Kolleginnen und Kollegen innerhalb unserer Landtagsfraktion sowie an das Niedersächsische Gesundheitsministerium weitergeben und darum bitten, die von Ihnen geschilderten Auswirkungen im weiteren Verfahren zu berücksichtigen und sich für notwendige Nachbesserungen einzusetzen.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Nachricht und wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute. Ich hoffe sehr, dass Sie Ihre Therapie weiterhin erfolgreich fortsetzen und Ihre persönlichen Ziele erreichen können.
Mit freundlichen Grüßen
Jan Henner Putzier
