Auf welche Fachleute hören Sie in dieser wichtigen Debatte – und wie stellen Sie sicher, dass nicht fossile Interessen, sondern die Energiewende in Bürgerhand im Mittelpunkt steht?
Sehr geehrter Herr Lehmann,Sie haben selbst eingeräumt, kein Energiepolitiker zu sein. Umso wichtiger ist, dass Sie sich auf unabhängige Fachleute wie Tim Meyer stützen – und nicht auf Stimmen aus dem fossilen Energiemarkt.Neue Gaskraftwerke bergen die Gefahr von Lock-in-Effekten: Sie binden Kapital über Jahrzehnte und bremsen Speicher- und Flexibilitätslösungen aus. Zudem verteuern sie durch das Merit-Order-Prinzip die Systemkosten für alle.👉 Meine Frage: Auf welche Fachleute hören Sie in dieser wichtigen Debatte – und wie stellen Sie sicher, dass nicht fossile Interessen, sondern die Energiewende in Bürgerhand im Mittelpunkt steht?
Sehr geehrter Herr J.,
vielen Dank für Ihre Nachfrage. Sie haben recht: Gerade weil ich kein ausgewiesener Energiepolitiker bin, ist es mir wichtig, mich breit, faktenbasiert und unabhängig zu informieren und mir daraus eine eigene, abgewogene politische Position zu erarbeiten.
Dabei „höre“ ich nicht im Sinne eines politischen Gefolges auf einzelne Experten oder Interessenvertreter. Vielmehr stütze ich mich auf unabhängige wirtschafts- und energiepolitische Analysen, insbesondere von Institutionen wie dem ifo Institut, hier vor allem dem ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen, sowie auf Berichte des Bundesrechnungshofs. Diese Einrichtungen liefern belastbare Einschätzungen zu Kosten, Versorgungssicherheit, Systemeffizienz und langfristigen Wirkungen energiepolitischer Entscheidungen – frei von unmittelbaren Markt- oder Lobbyinteressen.
Grundlage unseres Handelns ist zudem der Koalitionsvertrag. Darin haben wir uns klar darauf verständigt, die Energiewende transparent, planbar und pragmatisch zu gestalten und Wirtschaft wie Verbraucher stärker zu Mitgestaltern zu machen – etwa durch Bürgerenergie, Mieterstrom, Energy Sharing und Entbürokratisierung. Ziel ist es ausdrücklich, alle Potenziale der Erneuerbaren Energien zu nutzen und gleichzeitig Bezahlbarkeit, Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit sicherzustellen.
Die Energiewende dient aus meiner Sicht nicht den Interessen einzelner Branchen – weder fossilen noch erneuerbaren –, sondern ist ein gesellschaftlicher Interessenausgleich. Als Volksparteien tragen CDU/CSU und SPD gemeinsam Verantwortung dafür, Klimaschutz, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Akzeptanz miteinander zu verbinden. Dazu gehört auch ein systemischer Ansatz, der Erneuerbare, Netze, Speicher, Flexibilitäten und eine Kraftwerksstrategie zusammen denkt, statt einzelne Elemente isoliert zu betrachten.
Entscheidend ist für mich: Die Energiewende muss den Menschen und der Gesamtwirtschaft dienen – nicht einzelnen Marktakteuren. Politische Entscheidungen treffe ich daher auf Basis unabhängiger Expertise, parlamentarischer Abwägung und mit Blick auf das langfristige Gemeinwohl.
Mit freundlichen Grüßen
Jens Lehmann, MdB
