Sind Sie dafür oder dagegen, das gesetzliche Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln?
Sehr geehrter Christof K.,
vielen Dank für Ihre direkte Frage. Meine Antwort ist klar: Ich bin gegen eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung.
Eine solche Kopplung klingt auf den ersten Blick wie eine nüchterne demografische Rechenaufgabe. Sie ist aber in Wirklichkeit eine zutiefst unsoziale und ungerechte Maßnahme. Denn die Lebenserwartung ist in Deutschland alles andere als gleich verteilt: Menschen in körperlich belastenden Berufen, mit niedrigerem Einkommen oder in strukturschwachen Regionen leben im Schnitt deutlich kürzer als Besserverdienende. Eine automatische Kopplung würde diese Ungleichheit zementieren und diejenigen am stärksten belasten, die ohnehin weniger vom System profitieren.
Statt starrer Altersgrenzen setzen wir Grünen auf einen flexiblen und selbstbestimmten Renteneintritt: Wer kann und will, soll länger arbeiten dürfen, ohne arbeitsrechtliche Hürden wie das automatische Ende von Arbeitsverträgen bei Erreichen des Rentenalters. Wer nicht mehr kann, zum Beispiel nach jahrzehntelanger körperlicher Arbeit, muss geschützt werden. Dafür brauchen wir bessere Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz und eine deutlich verbesserte Erwerbsminderungsrente.
Das Rentensystem zukunftsfest zu machen geht nicht über das Hinausschieben von Altersgrenzen, sondern über eine breitere Finanzierungsbasis. Auch nicht anderweitig abgesicherte Selbstständige, neu eingestellte Beamt*innen und Abgeordnete sollen künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Das ist gerecht und stärkt das System nachhaltig.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Wagner
