Herr Dittrich, sind Sie der Meinung, dass Menschen, die Waffenlieferungen an die Ukraine befürworten, was immerhin 63 Prozent der deutschen Bürgerinnen und Bürger gegenwärtig tun, Kriegstreiber sind?
Ich finde, bei dieser Debatte lohnt es sich, auch andere Umfrageergebnisse anzuschauen. Denn die öffentliche Meinung zum Ukrainekrieg ist deutlich differenzierter, als es eine einzelne Prozentzahl vermuten lässt.
Nach einer Erhebung des Kyjiwer Internationalen Instituts für Soziologie vom September befürworten beispielsweise 75 Prozent der Ukrainer Verhandlungen mit Russland. 69 Prozent unterstützen unter bestimmten Sicherheitsbedingungen einen sofortigen Waffenstillstand entlang der gegenwärtigen Frontlinie. Gleichzeitig erklären 62 Prozent, dass sie bereit sind, den Krieg so lange wie nötig durchzustehen.
Auch in Deutschland gibt es erhebliche Unterschiede. Im ZDF-Politbarometer vom Januar 2026 befürworteten lediglich 32 Prozent der Ostdeutschen eine Beteiligung der Bundeswehr an der Absicherung einer möglichen Waffenruhe auf ukrainischem Gebiet, bundesweit waren es 49 Prozent. Und im Dezember 2025 erklärten 44 Prozent der Befragten, die Ukraine solle einen Verzicht auf besetzte Gebiete akzeptieren, wenn dadurch der Krieg beendet werden könnte. 42 Prozent sprachen sich dagegen für die weitere Befreiung dieser Gebiete aus.
Diese Zahlen beantworten natürlich nicht alle politischen Fragen. Sie zeigen aber, dass Zustimmung zu militärischer Unterstützung, der Wunsch nach Verhandlungen und unterschiedliche Vorstellungen von einem tragfähigen Frieden nebeneinander bestehen können.
Gerade deshalb sollten wir über die Erfolgsaussichten unterschiedlicher Strategien diskutieren: Welche konkreten politischen Ziele sollen mit weiteren Waffenlieferungen erreicht werden? Unter welchen Bedingungen wären Verhandlungen möglich? Und wie könnte ein Friedensschluss dauerhaft abgesichert werden?
Das sind aus meiner Sicht die entscheidenden Fragen.
Das BSW setzt sich für einen Waffenstillstand, diplomatische Verhandlungen und eine politische Lösung ein.
