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Abriß des SEZ - Ist es finanziell vertretbar, dass eine weitgehend intakte und dringend benötigte Infrastruktur ohne Kostenprüfung abgerissen wird?

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Julian Schwarze
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Frage von Katja S. •

Abriß des SEZ - Ist es finanziell vertretbar, dass eine weitgehend intakte und dringend benötigte Infrastruktur ohne Kostenprüfung abgerissen wird?

Sehr geehrter Herr Schwarze,

Berlin fehlen Sport- und Erholungsanlagen. Gleichzeitig wirbt das Land derzeit im Zuge seiner geplanten Olympiabewerbung: "Wir wollen eine bessere Sportinfrastruktur für unsere Sportvereine, für unsere Sportmetropole Berlin. Aber wir wollen vor allen Dingen auch Zukunftsinvestitionen in unsere Stadt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am 30.01.2026 im Velodrom. Bäder in Berlin warten seit Jahren auf die Sanierung oder Wiedereröffnung. Ist es dann finanziell vertretbar, dass eine weitgehend intakte und dringend benötigte Infrastruktur ohne Kostenprüfung abgerissen wird? Etwa jeder vierte Berliner Drittklässler kann nicht schwimmen. Wer über Olympia spricht, darf den Breitensport nicht vernachlässigen. Friedrichshain fehlen Bäder in der Größenordnung von 24 Hallen.

Ich bin selbst als Kind im SEZ gewesen und habe es immer geschätzt. Es wäre aus meiner Sicht fatal abzureißen, wenn es eine bessere Alternative gäbe. Dankeschön, Katja S

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau S.,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich teile Ihre Kritik am Umgang des Senats mit dem SEZ. Wir Grüne fordern seit langem, dass der Abriss des SEZ gestoppt wird. Besonders problematisch ist, dass es durch Senat und WBM bisher keine Prüfung oder Untersuchung gibt, wie das SEZ erhalten werden kann ist. Die von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM vorgelegte Machbarkeitsstudie hat die Option eines Weiterbetriebs von vornherein ausgeschlossen und nicht untersucht, wie sich Wohnungsbau und der Fortbestand des SEZ verbinden lassen. Das halten wir für einen grundlegend falschen Ansatz – zumal verschiedene Entwürfe zeigen, dass solche Kombinationen grundsätzlich möglich sind.

Hinzu kommt: Die Rahmenbedingungen haben sich seit dem Bebauungsplanbeschluss 2018 deutlich verändert. Angesichts wachsender Bedarfe im Breitensport, der bekannten Defizite bei Wasserflächen sowie der ökologischen Anforderungen an einen ressourcenschonenden Umgang mit bestehender Bausubstanz ist ein vorschneller Abriss aus unserer Sicht weder stadtentwicklungspolitisch noch ökologisch vertretbar.

Ihr Hinweis, dass bei allen Überlegungen zu Olympia der Breitensport nicht vernachlässigt werden darf, trifft einen zentralen und wichtigen Punkt. Eine zukunftsfähige Sportmetropole braucht vor allem verlässliche Angebote für den Alltag der Berliner*innen. Insbesondere angesichts des leider oft mangelhaften Zustandes der Infratruktur für den Breitensport lehnen wir eine Olympiabewerbung Berlins ab. Das Geld sollte statt in teure und aussichtslose Bewerbungsverfahren lieber in die Modernisierung bestehender Anlagen investiert werden.

Wir Grünen setzen uns daher ausdrücklich für eine neue Machbarkeitsstudie ein, die den Erhalt des SEZ zum Ziel hat. Bis eine solche Neubewertung vorliegt, dürfen keine irreversiblen Fakten geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, dass bereits eine Abrissankündigung eingereicht wurde, bevor die parlamentarische Debatte abgeschlossen ist.

Viele Grüße
Julian Schwarze
 

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