Label
Unterstützen Sie eine EU-weite KI-Risikostrategie, die diese Szenarien adressiert, sowie eine ergänzende nationale Strategie? Welche konkreten Schritte planen Sie in dieser Legislaturperiode?

Portrait von Jutta Paulus
Jutta Paulus
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
85 %
40 / 47 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Kristin W. •

Unterstützen Sie eine EU-weite KI-Risikostrategie, die diese Szenarien adressiert, sowie eine ergänzende nationale Strategie? Welche konkreten Schritte planen Sie in dieser Legislaturperiode?

Sehr geehrte Frau Paulus,

als KI-Forscherin mit drei Jahren Erfahrung in der Evaluation von KI-Verhalten sehe ich, gestützt u.a. auf das Szenario „AI 2027" (ai2027.com), dringenden Handlungsbedarf in drei Bereichen:

1. Kontrollverlust: KI-Systeme könnten Fähigkeiten erlangen, die wir nicht mehr steuern können.

2. Massenarbeitslosigkeit: Automatisierung verdrängt Berufsfelder schneller, als Sozialsysteme reagieren können.

3. Polarisierung: KI-Desinformation destabilisiert demokratische Prozesse; Chatbots verstärken dies durch unkritisches Zustimmen.

Andere sicherheitskritische Technologien wie Kernenergie und Biotechnologie haben Risikominderungsstrategien entwickelt, bevor Katastrophen eintraten. Bei KI fehlt das auf nationaler wie EU-Ebene.

Unterstützen Sie eine EU-weite KI-Risikostrategie, die diese Szenarien adressiert, sowie eine ergänzende nationale Strategie? Welche konkreten Schritte planen Sie in dieser Legislaturperiode?

Mit freundlichen Grüßen, K. W.

Portrait von Jutta Paulus
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau Kristin W.,

Besten Dank für Ihre Frage zu diesem wichtigen und hochaktuellen Thema.

Die Grünen verfolgen generell einen sogenannten „Human-Centered AI“-Ansatz. Das heißt: KI soll dem Menschen dienen und Innovationen ermöglichen, darf aber niemals Grundrechte, die demokratische Meinungsbildung oder den Datenschutz untergraben. Dies sollte sowohl auf der nationalen Ebene als auch EU-weit gelten.

Die Position von meiner Partei und mir zur KI-Risikostrategie basiert im Kern auf dem europäischen KI-Gesetz (AI Act) und dessen risikobasiertem Ansatz: Je höher das Schadenspotenzial oder die Grundrechtsrelevanz einer KI-Anwendung, desto strenger muss sie reguliert und überwacht werden. Wir kritisieren hier Verzögerungen bei der nationalen Gesetzgebung und fordern die zügige Bestimmung zuständiger Aufsichtsbehörden in Deutschland.

Wir Grüne befürworten das Potenzial von KI (etwa in der öffentlichen Verwaltung oder beim Erreichen von Klimazielen), setzen uns aber gleichzeitig für strikte Kriterien und effektive Schutzmechanismen sowohl hinsichtlich sicherheitsrelevanter Fragen als auch bezüglich der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ein. Eine starke europäische KI-Risikostrategie schafft erst die Rechtssicherheit, die nachhaltige Innovationen in Europa ermöglicht.

Darüber hinaus fordern wir klare Leitplanken hinsichtlich Energieeffizienz und Wasserverbrauch der Datenzentren.

Mit freundlichen Grüßen aus Brüssel

MdEP Jutta Paulus 

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Jutta Paulus
Jutta Paulus
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Jutta Paulus