Wird die CDU ihre Position zum Umgang mit dem Klimawandels überdenken?
Sehr geehrter Herr Mack,
im Jahr 1979 wandten sich die damals führenden Klima-Fachleute mit einer gemeinsamen Veröffentlichung an die Weltgemeinschaft, in der sie wegen steigender CO2 Konzentrationen einen Klimawandel prognostizierten und rasche Gegenmaßnahmen anmahnten. Die Politik war sehr skeptisch, und die Mineralölwirtschaft zog diese Prognosen – entgegen den Erkenntnissen ihrer eigenen Fachleute – in teuren Kampagnen in Zweifel. Diese Zweifel sorgten dafür, dass sich die Politik mit Gegenmaßnahmen sehr schwertat und -tut. Doch nun werden die damaligen Prognosen im Alltag der Menschen spürbare Wirklichkeit. Z.B. fallen Ernten aus, Lebensmittelpreise steigen, Hitzebedingte Todesfälle häufen sich. Das kann dazu führen, dass die Einstellung der Bevölkerung zum Klimawandel kippt und plötzlich Schuldige gesucht werden. Wie geht die CDU mit dieser Option um?
Freundliche Grüße aus Mellingen
Peter Häusler
(@Redaktion: bitte meinen Namen ausschreiben, ich möchte mich nicht verstecken)
Sehr geehrter Herr H.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie haben Recht: Wissenschaftliche Warnungen vor den Folgen steigender CO₂-Konzentrationen reichen viele Jahrzehnte zurück. Heute sind die Folgen des menschengemachten Klimawandels auch bei uns deutlich spürbar – etwa durch Hitze, Dürren, Starkregen und Hochwasser.
Für mich folgt daraus zweierlei: Wir müssen den CO₂-Ausstoß weiter konsequent reduzieren und uns gleichzeitig besser auf die bereits eintretenden Klimafolgen vorbereiten. Die CDU hält deshalb am Ziel der Klimaneutralität bis 2045 und am Pariser Klimaabkommen fest.
Was wir verändern wollen, ist vor allem der Weg dorthin. Statt immer neuer Einzelvorgaben und Verbote setzen wir stärker auf den europäischen Emissionshandel, der die CO₂-Menge verbindlich begrenzt, sowie auf Technologieoffenheit und Innovation. Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung sollen zur Entlastung von Bürgern und Wirtschaft eingesetzt werden.
Gleichzeitig gewinnt die Klimaanpassung an Bedeutung. Wir müssen Städte besser gegen Hitze wappnen, den Hochwasserschutz stärken und unsere Wälder, Landwirtschaft und Infrastruktur widerstandsfähiger machen. Erst in dieser Woche haben wir im Bundestag darüber beraten, wie Bund, Länder und Kommunen diese Aufgabe gemeinsam finanzieren und organisieren können.
Ihre Frage nach möglichen „Schuldigen“ für Versäumnisse der Vergangenheit kann ich nachvollziehen. Eine rückwärtsgewandte Schulddebatte hilft uns aus meiner Sicht aber nicht weiter. Entscheidend ist, dass wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst nehmen und daraus heute die richtigen Konsequenzen ziehen.
Ja, Klimapolitik muss deshalb immer wieder überprüft und weiterentwickelt werden. Für die CDU heißt das aber nicht, die Klimaziele infrage zu stellen, sondern wirksamer, technologieoffener und sozial tragfähiger an ihrer Erreichung zu arbeiten.
