Warum bildet die Bundeswehr erst für viel Geld Soldaten aus, um ihnen dann eine Lehre als Schreiner finanzieren?
Sehr geehrter Herr Mack
Ich bin immer wieder verwundert, wenn ich Geschichten von ehemaligen Soldaten höre, die eigentlich gerne beim Bund geblieben wären, aber die Bundeswehr verlassen müssen, weil sie ein so unattraktiver Arbeitgeber ist. Im Mittelpunkt steht da z.B. die Veteinbarkeit mit der Familie wegen vieler Umzüge. Meine generelle Frage ist: Warum bilden Sie für viel Geld Spezialisten aus, um sie dann ohne mit der Wimper zu zucken (oder Ihnen ein akzeptables Angebot zu machen) ins Zivilleben gehen zu lassen.
Sehr geehrter Herr L.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Sie sprechen einen Punkt an, der auf den ersten Blick tatsächlich widersprüchlich erscheint: Warum investiert der Staat viel Geld in die Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten, wenn diese später mit Unterstützung der Bundeswehr in zivile Berufe wechseln?
Der Hintergrund liegt in der Personalstruktur der Bundeswehr. Ein großer Teil der Soldatinnen und Soldaten dient bewusst als Soldatin oder Soldat auf Zeit (SaZ). Dieses Modell ist politisch gewollt: Nach Ablauf ihrer Verpflichtungszeit wechseln die meisten, rund 85%, wieder in das zivile Berufsleben. Damit dieser Übergang gelingt, sieht das Soldatenversorgungsgesetz den Berufsförderungsdienst (BFD) vor. Er unterstützt ehemalige Soldatinnen und Soldaten beispielsweise bei einer Meisterausbildung, einer Umschulung oder einem Studium. Das ist kein freiwilliger Bonus, sondern Teil des Dienstmodells für Soldaten auf Zeit.
Gleichzeitig sprechen Sie einen berechtigten Punkt an. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage muss es unser Ziel sein, mehr gut ausgebildete Soldatinnen und Soldaten dauerhaft in der Bundeswehr zu halten. Jede erfahrene Soldatin und jeder erfahrene Soldat, der freiwillig länger bleibt, stärkt die Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren Maßnahmen zur Personalbindung ausgebaut – etwa durch attraktivere Karrierewege, Personalbindungszuschläge sowie Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Tatsächlich konnten 2025 mehr als 8.500 Soldatinnen und Soldaten, die planmäßig ausgeschieden wären, für einen längeren Verbleib gewonnen werden.
Ich bin überzeugt: Beides gehört zusammen. Die Bundeswehr muss ein attraktiver Arbeitgeber sein, um möglichst viele erfahrene Soldatinnen und Soldaten langfristig zu halten. Gleichzeitig bleibt der Berufsförderungsdienst richtig und wichtig, weil der zeitlich befristete Dienst ein bewusstes Element unseres Personalmodells ist und diejenigen, die unserem Land oft viele Jahre gedient haben, einen guten Übergang in das zivile Berufsleben verdienen.
