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Was tun Sie gegen die Honorarkürzungen der Psychotherapeut*innen?

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Konstantin von Notz
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Simone H. •

Was tun Sie gegen die Honorarkürzungen der Psychotherapeut*innen?

Als niedergelassene Psychotherapeutin bzw. als Angehörige der psychotherapeutischen Profession wende ich mich an Sie, um meine große Sorge und meinen Protest gegen die beschlossene Absenkung der Vergütung für ambulant tätige Psychotherapeut*innen um 4,5% ab dem 01.04.2026 zum Ausdruck zu bringen.

Diese Entscheidung halte ich aus mehreren Gründen für problematisch:

o Verschlechterung der Aktuellen Versorgungssituation

o Psychotherapeut*innen haben schon jetzt das geringste Honorarniveau

o Steigende Kosten für Praxen

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten und folgenschwersten Erkrankungen in Deutschland. Eine verlässliche und angemessen finanzierte psychotherapeutische Versorgung ist daher ein zentraler Bestandteil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge.

Ich bitte Sie daher nachdrücklich, sich politisch für eine Rücknahme der beschlossenen Honorarkürzung einzusetzen.

Simone H., Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Geesthacht

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau H.,

vielen Dank für Ihre Fragen und Ihr Interesse an meiner Arbeit als Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Über beides habe ich mich gefreut! 

Als Abgeordneter für das Herzogtum Lauenburg ist mir die Versorgungssituation in unserer Region ein besonderes Anliegen. Die von Ihnen geschilderten Punkte – gerade mit Blick auf die ländlich geprägten Strukturen unseres Wahlkreises – nehme ich sehr ernst.

Ich teile Ihre Sorge ausdrücklich. Es ist gesundheitspolitisch schwer vermittelbar, dass in einer Zeit historisch hoher psychischer Belastungen und ohnehin schon unzumutbarer Wartezeiten die wirtschaftliche Basis der ambulanten Versorgung geschwächt wird. Meine Kollegin Dr. Kirsten Kappert-Gonther, die das Thema für unsere Fraktion federführend betreut und selbst als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie über tiefe Einblicke in die Praxis verfügt, hat hierzu bereits klargestellt: Eine pauschale Honorarkürzung um 4,5 % ist das völlig falsche Signal.

Ihre Argumentation zur systematischen Unterbewertung der psychotherapeutischen Arbeit ist dabei von zentraler Bedeutung. Die von Ihnen kritisierte Annahme einer industriell organisierten „Vollauslastung“, die Vor- und Nachbereitungszeiten sowie den hohen bürokratischen Aufwand (Dokumentation, Berichterstellung, Koordination) kaum abbildet, führt zu einer strukturellen Schieflage. Wenn Praxen durch Inflation und steigende Betriebskosten ohnehin unter Druck stehen, gefährdet eine solche Kürzung nicht nur die wirtschaftliche Existenz der Praxen, sondern unmittelbar die Versorgungssicherheit der GKV-Versicherten.

Wir Grüne setzen uns im Bund konsequent für folgende Punkte ein:

*           Nachhaltige Reformen statt pauschaler Kürzungen: Strukturprobleme im Gesundheitssystem dürfen nicht auf dem Rücken der psychotherapeutischen Versorgung ausgetragen werden.

*           Verbesserung der Bedarfsplanung: Wir brauchen eine Planung, die den realen Bedarfen entspricht, um die Wartezeiten spürbar zu verkürzen.

*           Sicherung der Weiterbildung: Die Finanzierung der Psychotherapeutinnen in Weiterbildung muss stabilisiert werden, damit Praxen wie die Ihre auch künftig Nachwuchs ausbilden können.

Seien Sie versichert, dass ich Ihre fachlichen Ausführungen – insbesondere zur Fehlkalkulation der Leistungs- und Zeitanteile – in die laufenden Debatten innerhalb meiner Fraktion einbringen werde. Wir werden weiterhin darauf drängen, dass angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit psychische Gesundheit nicht vom Versicherungsstatus abhängt.

Für Ihren täglichen Einsatz in der Versorgung der Menschen in unserer Region danke ich Ihnen herzlich!

Mit besten Grüßen nach Geesthacht!
Konstantin v. Notz

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