Sind Sie für die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung?
Sehr geehrter Herr C.,
Danke, dass Sie mir diese Frage stellen, denn sie betrifft so ziemlich jeden von uns früher oder später. Die Frage, ob das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden sollte, wird auf Bundesebene entschieden. Ich teile hier die Position der Grünen-Bundestagsfraktion: Eine pauschale Anhebung des Renteneintrittsalters sehe ich kritisch.
In der Rentendebatte wird häufig reflexhaft gefordert, das Eintrittsalter weiter zu erhöhen. Dabei wird übersehen, dass viele Menschen schon heute aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeiten können. Für sie käme jede weitere Anhebung faktisch einer Rentenkürzung gleich. Eine automatische Kopplung an die Lebenserwartung würde genau diese Menschen zusätzlich belasten, deshalb setzen wir Grüne stattdessen auf sozial gerechte Lösungen.
Eines unserer Ziele ist es, dass Menschen gesund arbeiten und freiwillig länger im Beruf bleiben können. Dafür brauchen wir mehr Unterstützung für die Gesundheit, zum Beispiel durch Vorbeugung und Reha.
Damit das Rentensystem langfristig stabil bleibt, setzen wir zudem auf flexible Übergänge: Arbeitsverhältnisse sollen nicht automatisch mit dem Rentenalter enden, sondern weiterlaufen können. Wer freiwillig länger arbeitet, soll dafür einen höheren Rentenzuschlag bekommen. Gleichzeitig wollen wir Anreize abbauen, die zu einem zu frühen Ruhestand verleiten. Die sogenannte „Rente mit 63“ setzt solche Anreize für einen frühen Renteneintritt, oft unabhängig von der tatsächlichen Belastung im Beruf. Sie soll daher schrittweise abgeschafft werden. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, soll stattdessen gezielt abgesichert werden.
Wenn Menschen aus gesundheitlichen Gründen früher aus dem Job aussteigen, beantragen sie eine Erwerbsminderungsrente. Doch ein großer Teil dieser Anträge wird abgelehnt. Für die Betroffenen bedeutet das oftmals Arbeitslosigkeit und finanzielle Unsicherheit. Deshalb wollen wir sie besser absichern mit einer Überlastungsschutzrente.
Eine nachhaltige Rentenpolitik muss beides leisten: Sie muss möglichst vielen Menschen ermöglichen, länger zu arbeiten, und zugleich diejenigen absichern, die dazu nicht in der Lage sind. Klar gesagt: Eine starre Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung wird dem nicht gerecht.
Mit freundlichen Grüßen,
Lena Zingsheim-Zobel
