Was tun Sie gegen die Honorarkürzungen für Psychotherapeut*innen?
Als niedergelassene Psychotherapeutin bzw. als Angehörige der psychotherapeutischen Profession wende ich mich an Sie, um meine große Sorge und meinen Protest gegen die beschlossene Absenkung der Vergütung für ambulant tätige Psychotherapeut*innen um 4,5% ab dem 01.04.2026 zum Ausdruck zu bringen.
Diese Entscheidung halte ich aus mehreren Gründen für problematisch:
o Verschlechterung der Aktuellen Versorgungssituation
o Psychotherapeut*innen haben schon jetzt das geringste Honorarniveau
o Steigende Kosten für Praxen
Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten und folgenschwersten Erkrankungen in Deutschland. Eine verlässliche und angemessen finanzierte psychotherapeutische Versorgung ist daher ein zentraler Bestandteil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge.
Ich bitte Sie daher nachdrücklich, sich politisch für eine Rücknahme der beschlossenen Honorarkürzung einzusetzen.
Simone H., Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Geesthacht
Sehr geehrte Frau H.,
der Bedarf an Psychotherapie ist in den letzten Jahren in Deutschland gestiegen; verständlich vor dem Hintergrund von diversen Krisen, Kriegen aber auch immer stärkerer Belastungen in der Arbeitswelt oder im Bildungsweg. Die gesetzlichen Krankenkassen sparen nun auf dem Rücken von Menschen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen. Laut OECD hat sich der Anteil an Menschen in Deutschland mit unbehandelten psychischen Problemen seit 2021 von vier auf zehn Prozent mehr als verdoppelt.
Die Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5% ab April 2026 bedeutet eine kritische Verschlechterung der Versorgung der Patient:innen. Dadurch werden Anreize für Psychotherapeut:innen geschaffen, in Zukunft ihre freien Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler:innen zu geben. Diese Schritte hin zu mehr Zwei-Klassen-Medizin sind schlecht für alle, die es sich nicht leisten können, Therapiestunden einfach aus eigener Tasche zu bezahlen. Bereits jetzt warten Menschen in Zeiten, in denen es ihnen psychisch schlecht geht, monatelang auf einen ambulanten Therapieplatz, sofern sie überhaupt einen finden.
Allgemein sollte überdacht werden, wie die ohnehin schwierige Versorgungssituation durch strukturelle Maßnahmen verbessert werden kann. Honorarabsenkungen sind hierbei definitiv ein Schritt in die verkehrte Richtung.
Die Linke fordert eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut:innen. All das mit dem Ziel, das diejenigen die Termine bekommen, die sie am dringendsten brauchen, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.
Freundliche Grüße
Lorenz Gösta Beutin
