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Wie rechtfertigen Sie Pläne zu Teilzeiteinschränkungen für Arbeitnehmer (auch in sozialen Berufen),die bereits am Limit arbeiten?

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Louis Krüger
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Frage von Maria W. •

Wie rechtfertigen Sie Pläne zu Teilzeiteinschränkungen für Arbeitnehmer (auch in sozialen Berufen),die bereits am Limit arbeiten?

Sehr geehrter Herr Krüger, als Erzieherin bei einem privaten Träger in Berlin macht mir die aktuelle Politik Angst. Teilzeit ist für uns oft der einzige Schutz vor dem Burnout. Unter Druck in Vollzeit zu arbeiten bestraft uns für unseren Einsatz, in einem Beruf mit hohem Infektionsrisiko und psychischer Last ist das unerträglich.Wir arbeiten hart und zahlen Steuern, doch das Gefühl wächst, dass das Volk vergessen wird, während Milliarden für Krieg und das Ausland ausgegeben werden. Die Sorge um das mühsam Ersparte und die Zukunft meiner (geplanten) Familie belastet mich täglich. Deutschland fühlt sich nicht mehr sicher an – nicht nur wegen Kriminalität, sondern wegen einer Politik, die die arbeitende Mitte auspresst.Wie wollen Sie uns vor diesem Kurs der sozialen Härte schützen und sicherstellen, dass wir nicht in Depression oder finanzielle Not getrieben werden? Ich erwarte eine ehrliche Antwort für uns Berliner Pädagogen.

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Antwort von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau W.,

vielen Dank für Ihre offene und eindringliche Nachricht. Ihre Sorgen nehme ich sehr ernst. Die Belastungen, die Sie als Erzieherin schildern – physisch wie psychisch –, sind real und gut belegt. Den Vorschlag der CDU, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, lehne ich entschieden ab. 

Gerade in sozialen Berufen wie der frühkindlichen Bildung ist Teilzeit kein „Luxus“, sondern für viele ein notwendiger Schutz vor Überlastung und langfristiger Erkrankung. Niemand darf dafür bestraft werden, dass er oder sie gesund bleiben will. Unser Ziel ist deshalb nicht, Menschen unter Druck in Vollzeit zu drängen, sondern Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Vollzeit überhaupt leistbar ist – durch bessere Personalschlüssel, verlässliche Vertretungssysteme, mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung sowie einen wirksamen Gesundheitsschutz.

Wir setzen uns dafür ein, dass pädagogische Arbeit besser bezahlt und tariflich abgesichert wird – auch bei privaten Trägern. Gute Bildung braucht gute Arbeitsbedingungen, sonst zahlen am Ende die Beschäftigten und die Kinder den Preis. Ebenso wichtig ist eine soziale Absicherung, die Teilzeit nicht zu Altersarmut führt, etwa durch eine stärkere Anerkennung von Sorge- und Bildungsarbeit in der Rentenversicherung.

Ihre Sorge, dass die arbeitende Mitte unter Druck gerät, teile ich. Eine gerechte Politik muss genau hier ansetzen: bei Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen und dieses Land tragen. Deshalb kämpfen wir für eine Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, stabile Sozialversicherungen und Investitionen in Bildung, Pflege und öffentliche Infrastruktur. Sicherheit entsteht nicht durch soziale Kälte, sondern durch Verlässlichkeit, Zusammenhalt und Vorsorge.

Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit und Ihre klaren Worte. Sie und Ihre Kolleg*innen verdienen Respekt, Unterstützung und eine Politik, die ihre Realität kennt. Dafür will ich mich einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Louis Krüger

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